Jasper ist jetzt über 1 Monat alt und das Leben läuft langsam schon wieder in die Schienen rein. In einem zuhause mit zwei Kleinkindern verlieren die Wochentage jede Bedeutung - die Zeit fliesst von der Blüte der Flieder zu der von Pfingstrosen und Jasminen. Von den Jasminen zu den Rosen, von den Rosen zu den Flammenblumen. Und irgendwo weit weg, nach den nebelvioletten Morgen und sternübersäten Nächte wartet die Zeit der gefrorenen Astern. Es ist noch fern und das ist alles, was zählt ...
Jasper ist zu danken, dass ich die Möglichkeit habe, wunderschöne Morgen zu sehen: mit einem grossen weissen Vollmond im pastellrosa Himmel, fröhliche Sonnenaufgänge und ruhiges Nieselwetter. Er ist nämlich gerne von 4 bis 5:30 Uhr wach und bittet mich dann zu seiner Gesellschaft - auch laut, wenn ich nicht gleich willig bin, das Traumreich zu verlassen. Am Tag schläft er manchmal relativ lange, nur sobald ich ihn aus der Hand lege, hängt mir Lissi am Rock und will in den Schoss. So sind freie Hände und freie Zeit ein Luxus geworden, den ich mir selten leisten kann. Wenn ich die erste Chance bekomme, versuche ich, im Haus etwas Ordnung zu schaffen oder den Garten vom Unkraut zu befreien. Die zweite nutze ich, um spät am Abend zusammen mit Markus irgendeinen Krimi anzuschauen - einfach zur Entspannung.
Trotz allem geht es hier auch ein Stück vorwärts. Markus ist dabei, für die Kinder ein Schaukel- und Klettergerüst zu bauen. Meiner Meinung nach hat er es sich zu grossartig vorgenommen und das Ding wird erst dann fertig, wenn Jasper schon in die Uni geht und mithilft. Aber er lässt sich ja auch nicht überreden, also warten wir ab, was daraus wird. Wäre schon gut, wenn Lissi im Garten auch was anderes zu tun hätte als nur mit mir und Oma zu sähen, zu giessen und Unkraut zu jäten. Einen tollen Sandkasten hat Markus ihr schon gebaut und ein schickes Dreirad hat sie auch vorzeitig zum Geburtstag bekommen.
Wenn wir drinnen sind, ist sie oft mit Jasper beschäftigt: deckt ihn zu, steckt ihn den Nuckel in den Mund, zeigt ihm die Spielzeuge und verteilt Küsschen. Wir müssen nur aufpassen, dass der Junge unter der grossen Last der Liebe nicht Schaden nimmt. Er ist seit der Geburt mächtig gewachsen, liegt aber immer noch hilfslos da und starrt mit grossen Augen, wie Lissi um ihm herumturnt und erzählt. "Jaaaaaa, nicht weinen," sagt sie mit langgezogener Honigstimme und nimmt seine Hand. Jasper hört tatsächlich auf zu weinen - aus Trost, Erstaunen oder Angst - wer weiss ...
Landleben
Eine kleine Familie mit einem süssen Kind, ein Blockhaus mit grossem Garten auf dem Land. Viel Arbeit, viel Liebe, grosse Träume und tägliche Sorgen, mal Tränen, mal Lachen, ab und zu mal sonderbare Nachbarn und Verwandte - das ist unser Landleben!
Sonntag, 19. Juni 2011
Dienstag, 24. Mai 2011
Da kamen die Störche wieder...
Der Frühling kam wie immer sehr erwartet, aber trotzdem überraschend. Er kam mit der Flut im Garten und auf den Wiesen, kam mit den tausenden Gänse, deren Stimmen die frische Nachtluft bis zur Terrasse trug und die Seele mit einer aufblühenden Lebenslust, sowohl auch unbeschreiblichen Sehnsucht nach irgendetwas Weitem und Abenteuerlichem erfüllt haben.
Danach ging alles schneller als man es begreifen konnte: der Rasen wurde grün und füllte sich mit Krokussen, dann waren sie schon wieder weg und die Beete voller Tulpen und Narzissen. Die Tage, obwohl immer länger, reichten nicht aus, um alles Notwendige zu erledigen: das Land umzugraben, Mist zu verteilen, Unkraut zu jäten, zu düngen, sähen und bepflanzen, die ersten Gartenparties zu feiern...
Und bevor alles erledigt war, kam Jasper zur Welt. Kam wie der Frühling selbst - 6 Tage vor dem Termin etwas überraschend, aber schnell und freudig, jung und frisch und süss. Ein paar Tage später waren wir wieder zu Hause. Lissi war von ihrem kleinen Bruder begeistert. Sie sprach ständig über das Baby, wollte es immer wieder küssen und streicheln, seine winzig kleinen Hände halten. Sie musste unbedingt dabei sein und mithelfen, wenn die Windeln gewechselt wurden und befiel mir, das Baby in den Schoss zu nehmen, wenn es weinte. Brustmilch wurde als Lösung zu allen Situationen empfohlen.
Jetzt steht der Kinderwagen mit dem schlafenden Jasper unter der weissen Blütenpracht der Faulbäume und Lissi hilft mir, die Zwiebeln in die Beete zu setzen. Sie ist mir schon eine unglaublich grosse Hilfe, Papas kleiner Helfer muss erstmal noch Kräfte sammeln...
Danach ging alles schneller als man es begreifen konnte: der Rasen wurde grün und füllte sich mit Krokussen, dann waren sie schon wieder weg und die Beete voller Tulpen und Narzissen. Die Tage, obwohl immer länger, reichten nicht aus, um alles Notwendige zu erledigen: das Land umzugraben, Mist zu verteilen, Unkraut zu jäten, zu düngen, sähen und bepflanzen, die ersten Gartenparties zu feiern...
Und bevor alles erledigt war, kam Jasper zur Welt. Kam wie der Frühling selbst - 6 Tage vor dem Termin etwas überraschend, aber schnell und freudig, jung und frisch und süss. Ein paar Tage später waren wir wieder zu Hause. Lissi war von ihrem kleinen Bruder begeistert. Sie sprach ständig über das Baby, wollte es immer wieder küssen und streicheln, seine winzig kleinen Hände halten. Sie musste unbedingt dabei sein und mithelfen, wenn die Windeln gewechselt wurden und befiel mir, das Baby in den Schoss zu nehmen, wenn es weinte. Brustmilch wurde als Lösung zu allen Situationen empfohlen.
Jetzt steht der Kinderwagen mit dem schlafenden Jasper unter der weissen Blütenpracht der Faulbäume und Lissi hilft mir, die Zwiebeln in die Beete zu setzen. Sie ist mir schon eine unglaublich grosse Hilfe, Papas kleiner Helfer muss erstmal noch Kräfte sammeln...
Mittwoch, 13. April 2011
Kultur tanken
Der Bauch wächst, die freie Zeit wird immer knapper... Also muss man noch die letzten Möglichkeiten nutzen, etwas Kultur zu tanken, so lange es geht. Die Erlebnisse müssen für eine Weile ausreichen.
Zuerst war ich mit Markus in der Oper, wir haben "La Bohème" angeschaut. Ehrlich gesagt, bin ich kein grosser Opern-Fan, aber ich hatte viel Gutes über das Stück gelesen und wollte ihm eine Chance geben. Dass es so gut ist, dass ich eine Packung Taschentücher mit Tränen füllte, hätte ich nicht gedacht! Ein Glück, dass wir auf einem oberen Balkon sassen und es dadurch einfacher war, am Ende mit roten Kaninchenaugen unbemerkt zu verschwinden. Kann ja wohl sein, dass die Schwangerschafts-Hormone bei dem Dauerregen eine Rolle gespielt haben, aber die Oper war auch verdammt schön inszeniert und die Hauptdarstellerin hat ihre Rolle prima gesungen.
Als nächstes war ein Drama dran. "Der August" - von einer Amerikanischer Autorin Tracy Letts, die dafür den Pulitzer Dramapreis bekommen hat. Auch ein Stück, das viel Lob in den Reviews gesehen hat; in der Hauptrolle die Grand Old Lady des Theaters. Der Saal war bis zum letzten Platz ausverkauft, wir haben die Plätze wieder ganz oben auf dem Balkon gehabt, aber der Reiz des erstklassigen Spiels hat uns auch bis dahin erwischt. Super, super war das! Und das Publikum applaudierte lange stehend. Bin echt froh, dass ich diesen Trüffel noch naschen konnte, bevor ich in den Kultururlaub gehe.
Eine Woche später war ich mit Markus wieder in der Oper - diesmal zu "Silva". Es war bunt und lustig wie die Operetten meist sind, gut schon, aber nicht gerade ein Stück, das einem hinterher lange begleitet. Mich hat vielleicht die Hauptdarstellerin ein wenig gestört - peinlich es zu sagen, aber eine Frau, die die Rolle eines Männertraumes spielt, sollte etwas attraktiver sein... sonst fällt es einem schwer das Ganze zu glauben.
Jetzt haben wir noch den Besuch ins Puppentheater vor uns, um auch der kleinen Lissi eine Freude zu machen. Sie ist noch nicht 2 Jahre alt, benimmt sich aber sehr gut und ich bin mir sicher, dass ihr ein Puppenstück sehr gefallen würde. Mal schauen, ob wir dafür noch rechtzeitig Karten bekommen - im April war das ausgewählte Stück bereits ausverkauft. Na ja, ich werde sicherlich berichten, wenn sie ihren ersten Theaterbesuch hinter sich hat.
Zuerst war ich mit Markus in der Oper, wir haben "La Bohème" angeschaut. Ehrlich gesagt, bin ich kein grosser Opern-Fan, aber ich hatte viel Gutes über das Stück gelesen und wollte ihm eine Chance geben. Dass es so gut ist, dass ich eine Packung Taschentücher mit Tränen füllte, hätte ich nicht gedacht! Ein Glück, dass wir auf einem oberen Balkon sassen und es dadurch einfacher war, am Ende mit roten Kaninchenaugen unbemerkt zu verschwinden. Kann ja wohl sein, dass die Schwangerschafts-Hormone bei dem Dauerregen eine Rolle gespielt haben, aber die Oper war auch verdammt schön inszeniert und die Hauptdarstellerin hat ihre Rolle prima gesungen.
Als nächstes war ein Drama dran. "Der August" - von einer Amerikanischer Autorin Tracy Letts, die dafür den Pulitzer Dramapreis bekommen hat. Auch ein Stück, das viel Lob in den Reviews gesehen hat; in der Hauptrolle die Grand Old Lady des Theaters. Der Saal war bis zum letzten Platz ausverkauft, wir haben die Plätze wieder ganz oben auf dem Balkon gehabt, aber der Reiz des erstklassigen Spiels hat uns auch bis dahin erwischt. Super, super war das! Und das Publikum applaudierte lange stehend. Bin echt froh, dass ich diesen Trüffel noch naschen konnte, bevor ich in den Kultururlaub gehe.
Eine Woche später war ich mit Markus wieder in der Oper - diesmal zu "Silva". Es war bunt und lustig wie die Operetten meist sind, gut schon, aber nicht gerade ein Stück, das einem hinterher lange begleitet. Mich hat vielleicht die Hauptdarstellerin ein wenig gestört - peinlich es zu sagen, aber eine Frau, die die Rolle eines Männertraumes spielt, sollte etwas attraktiver sein... sonst fällt es einem schwer das Ganze zu glauben.
Jetzt haben wir noch den Besuch ins Puppentheater vor uns, um auch der kleinen Lissi eine Freude zu machen. Sie ist noch nicht 2 Jahre alt, benimmt sich aber sehr gut und ich bin mir sicher, dass ihr ein Puppenstück sehr gefallen würde. Mal schauen, ob wir dafür noch rechtzeitig Karten bekommen - im April war das ausgewählte Stück bereits ausverkauft. Na ja, ich werde sicherlich berichten, wenn sie ihren ersten Theaterbesuch hinter sich hat.
Dienstag, 22. März 2011
Frauenparty im Dorf
Na ja, es ist jetzt schon eine Weile her, aber an einem Samstag wurde im Dorf Frauentag gefeiert. Ich zögerte lange, ob ich dort hingehe, denn der Schnupfen hat mich müde und lustlos gemacht. Entscheidend war, dass im Programm ein Vortrag von einem Mann stand, der alles über die Natur zu wissen scheint und darüber auch interessanter als egal wer anders erzählen kann. Ich hab' ihn schon einmal früher gehört und wollte die Chance jetzt nicht verpassen.
Als ich mit etwas Verspätung ankam, sah ich durch's Fenster tanzende Männer in Trachten. Sie haben gerade ihren Auftritt beendet, als ich reinkam. Einer von den jungen Männer trat mir entgegen und schenkte mir ein paar Tulpen. Ein schönes Willkommen jedenfalls! Das Publikum war knapp und bestand meist aus älteren Damen. Ich kannte dort keinen. Scheinbar hatten meine Nachbarn andere Pläne für den Abend.
Als nächstes trat ein Blasquartett aus einem Mann und drei Jungs auf. "Zuerst wollen wir einen Stück spielen, das einem Tier gewidmet ist," sagte der Mann, "- einem Tier, das viele Leute nicht gesehen haben und vor dem viele Angst haben - es ist die Kuh". Also hörten wir Musik sowohl für die Kuh als auch zu anderen Themen. Er meinte, dass der Titel dem Zuhörer den Weg weist und somit eine grosse Rolle spielt, wie die Musik wahrgenommen wird. Er brachte als Beispiel seine eigene Erfahrung mit einer "Weihnachtsstimmung", die die Zuhörer gelobt haben als eine Melodie, die das Weihnachtliche - die Atmosphäre, die Vorbereitungen und die heilige Erwartung perfekt weitergibt. Im Sommer wurde dasselbe gespielt, nur diesmal unter dem Titel "Sommerabend". Das Publikum fand allerdings, dass es eindeutig die richtige Sommerabendstimmung darstellt, einer meinte sogar, er hätte in der Melodie den Kuckuck gehört. Auch wir wurden getestet - das letzte Stück wurde uns ohne Titel vorgetragen und wir mussten es danach erraten. "Die Küste", "Ein Tanzabend" lauteten die Angebote. Na ja, "Quark" hiess es wirklich!
Dann war meine Lieblingsbiologe dran. Er arbeitet in einem Zoo und hat tausend lustige Geschichten von seinen guten tierischen Freunden dort, sowohl als auch ein unheimlich grosses Wissen über die Natur und Tiere im Allgemeinen. Er hat versucht, sich diesmal auf das Frauenthema, also auf die weiblichen Tiere und ihre Rolle, zu konzentrieren, driftete aber immer wieder auf superinteressante Seitenwege ab. Wir haben erfahren, dass im Zoo eine alte schlaue Füchsin lebt, die früh morgens vor dem Stromzaun sitzt, der die grosse Fläche und Teiche der Wasservögel umgrenzt, und sich den Rhythmus des Impulsstroms anhört. Als sie es rauskriegt, springt sie zwischen den Impulsen durch den Zaun und versteckt sich im Gebüsch. Sie wartet bis die Pfleger den Vögeln das Futter bringen und wieder abhauen und drängelt sich dann unauffällig zwischen Gänse und Enten zu ihrem bereitgelegten Brei oder Fisch. Die Vögel fasst sie nie an - ein Skandal wäre das letzte, was sie gebrauchen kann!
Oder die Wahrheit des Stierkampfes - viele wissen gar nicht, dass die Stiere keine rote Farbe sehen, rot ist das Tuch nur um für die Menschen attraktiver zu wirken und die Blutflecken besser zu verstecken. Auch das Tuch selber ist dem Stier egal, aber in der Bewegung sieht er eine Provokation - die Herausforderung zu einem Duell. Als ein männliches Tier ist er ein Gentleman und kämpft strickt nach den Regeln. Er greift das provozierende Tuch an und ignoriert den stillstehenden Mann daneben. Sein Verhalten ist vorherzusehen und deswegen wird er besiegt. Warum benutzt man nie Kühe für den Kampf? Weil sie sich kein bisschen für die Duellregeln interessieren. Eine Kuh würde die Situation erstmal betrachten, schnell herausfinden, dass der ganze Mist vom Manne entstammt und würde ihn direkt und ganz brutal angreifen. Also, mit einer Kuh zu kämpfen wäre tausendmal gefährlicher.
Leider kann ich nicht alles Interessante mit Euch teilen, was er uns erzählt hat. Dabei hat er sich vor mich gebogen, um zu zeigen, wie die männliche Vögel ihre Partnerin beeindrucken wollen. Wie gesagt, sehr, sehr toll war das alles. Und danach gab es Kaffe und Kuchen, die die Dorfdamen gebacken hatten und danach noch ein bisschen Musik. Als ich aus dem Raum ging, stand ein alter Mann auf der Tür und sagte mir: "Ich hab' dein Schnupfen weggenommen. Du hast ein Grippevirus, aber ich hab' Deinen Schnupfen weggenommen". Keine Ahnung wer er war, aber etwas Schnupfen hat er doch für mich übrig gelassen - ganz weg war er nicht! ;o)
Jedenfalls kam ich nach Hause in bester Laune und voll neuer Erlebnisse und habe erstmal Markus mit dem überflutet. Es hat sehr gut getan, auch mal wieder alleine aus dem Haus zu kommen. Und die Frauentagsparty hat ihren Zweck erfüllt - ich hab' mich wirklich sehr weiblich gefühlt!
Als ich mit etwas Verspätung ankam, sah ich durch's Fenster tanzende Männer in Trachten. Sie haben gerade ihren Auftritt beendet, als ich reinkam. Einer von den jungen Männer trat mir entgegen und schenkte mir ein paar Tulpen. Ein schönes Willkommen jedenfalls! Das Publikum war knapp und bestand meist aus älteren Damen. Ich kannte dort keinen. Scheinbar hatten meine Nachbarn andere Pläne für den Abend.
Als nächstes trat ein Blasquartett aus einem Mann und drei Jungs auf. "Zuerst wollen wir einen Stück spielen, das einem Tier gewidmet ist," sagte der Mann, "- einem Tier, das viele Leute nicht gesehen haben und vor dem viele Angst haben - es ist die Kuh". Also hörten wir Musik sowohl für die Kuh als auch zu anderen Themen. Er meinte, dass der Titel dem Zuhörer den Weg weist und somit eine grosse Rolle spielt, wie die Musik wahrgenommen wird. Er brachte als Beispiel seine eigene Erfahrung mit einer "Weihnachtsstimmung", die die Zuhörer gelobt haben als eine Melodie, die das Weihnachtliche - die Atmosphäre, die Vorbereitungen und die heilige Erwartung perfekt weitergibt. Im Sommer wurde dasselbe gespielt, nur diesmal unter dem Titel "Sommerabend". Das Publikum fand allerdings, dass es eindeutig die richtige Sommerabendstimmung darstellt, einer meinte sogar, er hätte in der Melodie den Kuckuck gehört. Auch wir wurden getestet - das letzte Stück wurde uns ohne Titel vorgetragen und wir mussten es danach erraten. "Die Küste", "Ein Tanzabend" lauteten die Angebote. Na ja, "Quark" hiess es wirklich!
Dann war meine Lieblingsbiologe dran. Er arbeitet in einem Zoo und hat tausend lustige Geschichten von seinen guten tierischen Freunden dort, sowohl als auch ein unheimlich grosses Wissen über die Natur und Tiere im Allgemeinen. Er hat versucht, sich diesmal auf das Frauenthema, also auf die weiblichen Tiere und ihre Rolle, zu konzentrieren, driftete aber immer wieder auf superinteressante Seitenwege ab. Wir haben erfahren, dass im Zoo eine alte schlaue Füchsin lebt, die früh morgens vor dem Stromzaun sitzt, der die grosse Fläche und Teiche der Wasservögel umgrenzt, und sich den Rhythmus des Impulsstroms anhört. Als sie es rauskriegt, springt sie zwischen den Impulsen durch den Zaun und versteckt sich im Gebüsch. Sie wartet bis die Pfleger den Vögeln das Futter bringen und wieder abhauen und drängelt sich dann unauffällig zwischen Gänse und Enten zu ihrem bereitgelegten Brei oder Fisch. Die Vögel fasst sie nie an - ein Skandal wäre das letzte, was sie gebrauchen kann!
Oder die Wahrheit des Stierkampfes - viele wissen gar nicht, dass die Stiere keine rote Farbe sehen, rot ist das Tuch nur um für die Menschen attraktiver zu wirken und die Blutflecken besser zu verstecken. Auch das Tuch selber ist dem Stier egal, aber in der Bewegung sieht er eine Provokation - die Herausforderung zu einem Duell. Als ein männliches Tier ist er ein Gentleman und kämpft strickt nach den Regeln. Er greift das provozierende Tuch an und ignoriert den stillstehenden Mann daneben. Sein Verhalten ist vorherzusehen und deswegen wird er besiegt. Warum benutzt man nie Kühe für den Kampf? Weil sie sich kein bisschen für die Duellregeln interessieren. Eine Kuh würde die Situation erstmal betrachten, schnell herausfinden, dass der ganze Mist vom Manne entstammt und würde ihn direkt und ganz brutal angreifen. Also, mit einer Kuh zu kämpfen wäre tausendmal gefährlicher.
Leider kann ich nicht alles Interessante mit Euch teilen, was er uns erzählt hat. Dabei hat er sich vor mich gebogen, um zu zeigen, wie die männliche Vögel ihre Partnerin beeindrucken wollen. Wie gesagt, sehr, sehr toll war das alles. Und danach gab es Kaffe und Kuchen, die die Dorfdamen gebacken hatten und danach noch ein bisschen Musik. Als ich aus dem Raum ging, stand ein alter Mann auf der Tür und sagte mir: "Ich hab' dein Schnupfen weggenommen. Du hast ein Grippevirus, aber ich hab' Deinen Schnupfen weggenommen". Keine Ahnung wer er war, aber etwas Schnupfen hat er doch für mich übrig gelassen - ganz weg war er nicht! ;o)
Jedenfalls kam ich nach Hause in bester Laune und voll neuer Erlebnisse und habe erstmal Markus mit dem überflutet. Es hat sehr gut getan, auch mal wieder alleine aus dem Haus zu kommen. Und die Frauentagsparty hat ihren Zweck erfüllt - ich hab' mich wirklich sehr weiblich gefühlt!
Dienstag, 8. März 2011
Tage der Krankheit
Es hat uns doch erwischt - Lissi, Markus und mich - alle in Abwechslung. Eine blöde Krankheit war es! Die kleine Lissi bekam Schnupfen und schnaufte in der Nacht wie ein Bär. Teilweise war ihr so schwer zu atmen, dass ich ab und zu voll Sorgen zu ihrem Bett ging, um festzustellen, ob sie überhaupt noch atmet. Wir mussten wieder all die unangenehmen Sachen - die Nasensprays, Hustensäfte, das "Piip-piip" (Thermometer) usw. einsetzen. In der Nacht wollte Lissi oft neben mir schlafen: drehte sich hin und her und hustete mir ins Gesicht, was mir keinen erholsamen Schlaf gebracht hat... Am Tag musste sie mir ständig im Schoss sitzen, war gleichzeitig jämmerlich und liebevoll: hat mich umgearmt und geküsst, meine Haare gestreichelt und geweint, wenn ich ein paar Schritte entfernt war.
Als es ihr schon besser ging, ist Markus der Krankheit zum Opfer gefallen. Es kommt bei ihm selten vor, aber wenn, dann ist es der Weltuntergang: er lag mit Schnupfen tagelang im Bett und hat es sein Sterbebett genannt. Morgens habe ich ihm Knoblauchbrote und warme Milch mit Honig dorthin gebracht. Die wurden zum Glück überraschend gern angenommen. Er brauchte aber viel Schlaf und Ruhe, was gleichzeitig längere Tage für mich bedeutete.
Und so habe ich nach der anstrengenden Woche mir das beste Frauentag-Geschenk machen lassen - am Morgen lange ausschlafen! Wir alle sind noch ein bisschen kränklich und Lissi bekommt sogar Antibiotika, aber es wird schon langsam besser. Jetzt reicht es aber auch! Ich will nicht mehr krank sein! Der Winter ist in dem Sinne furchtbar gewesen und es wäre Zeit, dass er mal zu Ende kommt und wir wieder gesund und fit und froh draussen rumlaufen können. Das Wetter gibt aber noch nicht viel Hoffnung...
Als es ihr schon besser ging, ist Markus der Krankheit zum Opfer gefallen. Es kommt bei ihm selten vor, aber wenn, dann ist es der Weltuntergang: er lag mit Schnupfen tagelang im Bett und hat es sein Sterbebett genannt. Morgens habe ich ihm Knoblauchbrote und warme Milch mit Honig dorthin gebracht. Die wurden zum Glück überraschend gern angenommen. Er brauchte aber viel Schlaf und Ruhe, was gleichzeitig längere Tage für mich bedeutete.
Und so habe ich nach der anstrengenden Woche mir das beste Frauentag-Geschenk machen lassen - am Morgen lange ausschlafen! Wir alle sind noch ein bisschen kränklich und Lissi bekommt sogar Antibiotika, aber es wird schon langsam besser. Jetzt reicht es aber auch! Ich will nicht mehr krank sein! Der Winter ist in dem Sinne furchtbar gewesen und es wäre Zeit, dass er mal zu Ende kommt und wir wieder gesund und fit und froh draussen rumlaufen können. Das Wetter gibt aber noch nicht viel Hoffnung...
Donnerstag, 24. Februar 2011
Frisch gestopft
"Bring bitte den toten Hamster runter," sagte ich zu Markus, als der Wind im Wohnzimmer schon spürbar wurde. Wir haben eigentlich keine Haustiere, besonders nicht tote, aber irgendwie haben wir mal angefangen, das Isoliermaterial so zu nennen. Es ist eine Art Filz oder Werg, wahrscheinlich aus Leinen hergestellt, womit man die Spalten in den Blockwänden verdichtet. Diese Arbeit muss man ab und zu mal wiederholen, denn es dauert Jahre, bis ein Blockhaus sich endgültig gesetzt hat und so lange sind die Balken in Bewegung. Sie senken sich auf einander und besonders in den kalten Winternächten - wie jetzt - knallen sie manchmal laut wegen der Temperaturunterschiede. Eine Isolierung kann man deswegen an der Aussenwand noch nicht anbringen bis das Haus mit dem Sinken fertig ist. Man kann die Wände aber schön dicht machen - das reicht auch.
Also hat Markus eine Rolle Filz von der zweiten Etage, die noch im Ausbau ist, runtergeholt, ich stellte mir eine kleine Leiter ins Wohnzimmer und fing an, mit der Hand über die Wände zu gleiten, um herauszufinden, woher die Kälte reinkommt. Die grossen Risse sind eigentlich ganz harmlos, denn die sind nicht durchgehend und haben nur eine optische Wirkung. Am hinterlistigsten sind die ganz schmalen Öffnungen in den Ecken, wo die Blöcke quer übereinander liegen. Da verstecken sich schöne kalte Zwischenräume, so dass man beim Stopfen des kleinsten Spaltes am Ende ein grosses Paket Werg reingesteckt hat.
Nach der Arbeit fühlt sich die Ecke schon wärmer an, das kann aber auch an der körperlichen Leistung liegen. Die Nase juckt und die Kehle kratzt - wohl wegen der haarigen und staubigen Art des Materials, denke ich und versuche, die Atemwege sauber zu kriegen. Stunden später spüre ich das Krabbeln immer noch. Das ist verdächtig. Nicht schon wieder eine Erkältung, oder? Lissi ist am Abend extrem liebevoll zu mir und versucht immer wieder, mein Gesicht mit ihren Küssen zu bedecken. Es gelingt mir nicht vollkommen sie fern zu halten. Vor dem Einschlafen fühle ich schon, dass ich krank werde. Hauptsache Lissi nicht auch!
Also hat Markus eine Rolle Filz von der zweiten Etage, die noch im Ausbau ist, runtergeholt, ich stellte mir eine kleine Leiter ins Wohnzimmer und fing an, mit der Hand über die Wände zu gleiten, um herauszufinden, woher die Kälte reinkommt. Die grossen Risse sind eigentlich ganz harmlos, denn die sind nicht durchgehend und haben nur eine optische Wirkung. Am hinterlistigsten sind die ganz schmalen Öffnungen in den Ecken, wo die Blöcke quer übereinander liegen. Da verstecken sich schöne kalte Zwischenräume, so dass man beim Stopfen des kleinsten Spaltes am Ende ein grosses Paket Werg reingesteckt hat.
Nach der Arbeit fühlt sich die Ecke schon wärmer an, das kann aber auch an der körperlichen Leistung liegen. Die Nase juckt und die Kehle kratzt - wohl wegen der haarigen und staubigen Art des Materials, denke ich und versuche, die Atemwege sauber zu kriegen. Stunden später spüre ich das Krabbeln immer noch. Das ist verdächtig. Nicht schon wieder eine Erkältung, oder? Lissi ist am Abend extrem liebevoll zu mir und versucht immer wieder, mein Gesicht mit ihren Küssen zu bedecken. Es gelingt mir nicht vollkommen sie fern zu halten. Vor dem Einschlafen fühle ich schon, dass ich krank werde. Hauptsache Lissi nicht auch!
Mittwoch, 23. Februar 2011
Etwas zu erwarten...
Bin mal wieder in der Stadt gewesen - zum "Bauch messen", also bei einer der regelmässigen Kontrollen der Hebamme während der Schwangerschaft. Alles schien in Ordnung zu sein, ich hab' nur ziemlich viel zugenommen im letzten Monat. Dafür gab es kaum Extrakilos in den ersten 5 Monaten, also ist alles noch in Balance. Für mich selbst war es aber schwer in Balance zu stehen - die Schwangeren bewegen sich eh' etwas entenartig; jetzt war es aber auch die einzig mögliche Gangart für die anderen, denn die Strassen sind teilweise totale Eisrutschen. Am besten würde man gerade mit Schlittschuhen vorwärts kommen. Immerhin gibt es Mädels, die es versuchen, mit glatten Stiefelchen und hohen, stift-schmale Absätzen auf dem Eis zu stöckeln. Soll es wirklich sexy aussehen?
Aber zurück zum Thema! Also habe ich Euch verraten, dass ich schon etwas runder geworden bin und wenn alles gut klappt, wird unsere Familie Mitte Mai grösser werden. Ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, kann man ja mit dem Ultraschall nie 100 % sicher sagen, es sah aber diesmal mehr nach einem Jungen aus. Na, mal schau'n?! Markus träumt schon von der elektrischen Eisenbahn, geilen Baukonstruktionen und einer Carrera-Autorennbahn - also Sachen, mit denen die Papas gerne selbst spielen, so lange das Kind noch nicht alt genug ist. Lissi ist noch zu klein, um es zu verstehen, aber seitdem ich ihr gesagt habe, dass ich ein Baby im Bauch habe, streichelt sie ihn immer wieder und sagt "Baby, Baby". Manchmal halte ich ihre Hand an eine Stelle auf meinem Bauch, damit sie spürt, wie der Kleine da drinnen klopft und sich dreht. Sie schaut sich auch sehr gerne Babybilder in Büchern und Zeitschriften an und schaukelt ihre Puppe, was ja alles gute Hoffnungen macht, dass sie mit dem neuen Familienmitglied gut zurecht kommen könnte, aber sicher weiss man es nie. Wenn Markus mich z. B. in die Arme nimmt, drückt sie ihn zur Seite, um mich selbst zu umarmen. Im Frühling gibt es aber im Garten genug interessantes zu tun, so das man hoffentlich weniger Zeit für Eifersucht hat.
Was das alles aber für den Garten und das Feld bedeutet, mag ich noch nicht zu denken. Lissi, die auch im Sommer geboren ist, hat mich damals ganz schön an den Sessel gebunden und ich konnte beim Stillen nur aus dem Fenster beobachten, wie meine Mutti auf dem Feld schuftete. Das will ich ihr nicht noch einmal antun, aber ob es klappt, auch neben zwei kleinen Kindern Zeit und Kraft für die Arbeit zu finden, das werden wir sehen.
Aber zurück zum Thema! Also habe ich Euch verraten, dass ich schon etwas runder geworden bin und wenn alles gut klappt, wird unsere Familie Mitte Mai grösser werden. Ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, kann man ja mit dem Ultraschall nie 100 % sicher sagen, es sah aber diesmal mehr nach einem Jungen aus. Na, mal schau'n?! Markus träumt schon von der elektrischen Eisenbahn, geilen Baukonstruktionen und einer Carrera-Autorennbahn - also Sachen, mit denen die Papas gerne selbst spielen, so lange das Kind noch nicht alt genug ist. Lissi ist noch zu klein, um es zu verstehen, aber seitdem ich ihr gesagt habe, dass ich ein Baby im Bauch habe, streichelt sie ihn immer wieder und sagt "Baby, Baby". Manchmal halte ich ihre Hand an eine Stelle auf meinem Bauch, damit sie spürt, wie der Kleine da drinnen klopft und sich dreht. Sie schaut sich auch sehr gerne Babybilder in Büchern und Zeitschriften an und schaukelt ihre Puppe, was ja alles gute Hoffnungen macht, dass sie mit dem neuen Familienmitglied gut zurecht kommen könnte, aber sicher weiss man es nie. Wenn Markus mich z. B. in die Arme nimmt, drückt sie ihn zur Seite, um mich selbst zu umarmen. Im Frühling gibt es aber im Garten genug interessantes zu tun, so das man hoffentlich weniger Zeit für Eifersucht hat.
Was das alles aber für den Garten und das Feld bedeutet, mag ich noch nicht zu denken. Lissi, die auch im Sommer geboren ist, hat mich damals ganz schön an den Sessel gebunden und ich konnte beim Stillen nur aus dem Fenster beobachten, wie meine Mutti auf dem Feld schuftete. Das will ich ihr nicht noch einmal antun, aber ob es klappt, auch neben zwei kleinen Kindern Zeit und Kraft für die Arbeit zu finden, das werden wir sehen.
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