Sonntag, 19. Juni 2011

Zeit der Blumen, Zeit der Kinder

Jasper ist jetzt über 1 Monat alt und das Leben läuft langsam schon wieder in die Schienen rein. In einem zuhause mit zwei Kleinkindern verlieren die Wochentage jede Bedeutung - die Zeit fliesst von der Blüte der Flieder zu der von Pfingstrosen und Jasminen. Von den Jasminen zu den Rosen, von den Rosen zu den Flammenblumen. Und irgendwo weit weg, nach den nebelvioletten Morgen und sternübersäten Nächte wartet die Zeit der gefrorenen Astern. Es ist noch fern und das ist alles, was zählt ...

Jasper ist zu danken, dass ich die Möglichkeit habe, wunderschöne Morgen zu sehen: mit einem grossen weissen Vollmond im pastellrosa Himmel, fröhliche Sonnenaufgänge und ruhiges Nieselwetter. Er ist nämlich gerne von 4 bis 5:30 Uhr wach und bittet mich dann zu seiner Gesellschaft - auch laut, wenn ich nicht gleich willig bin, das Traumreich zu verlassen. Am Tag schläft er manchmal relativ lange, nur sobald ich ihn aus der Hand lege, hängt mir Lissi am Rock und will in den Schoss. So sind freie Hände und freie Zeit ein Luxus geworden, den ich mir selten leisten kann. Wenn ich die erste Chance bekomme, versuche ich, im Haus etwas Ordnung zu schaffen oder den Garten vom Unkraut zu befreien. Die zweite nutze ich, um spät am Abend zusammen mit Markus irgendeinen Krimi anzuschauen - einfach zur Entspannung.

Trotz allem geht es hier auch ein Stück vorwärts. Markus ist dabei, für die Kinder ein Schaukel- und Klettergerüst zu bauen. Meiner Meinung nach hat er es sich zu grossartig vorgenommen und das Ding wird erst dann fertig, wenn Jasper schon in die Uni geht und mithilft. Aber er lässt sich ja auch nicht überreden, also warten wir ab, was daraus wird. Wäre schon gut, wenn Lissi im Garten auch was anderes zu tun hätte als nur mit mir und Oma zu sähen, zu giessen und Unkraut zu jäten. Einen tollen Sandkasten hat Markus ihr schon gebaut und ein schickes Dreirad hat sie auch vorzeitig zum Geburtstag bekommen.

Wenn wir drinnen sind, ist sie oft mit Jasper beschäftigt: deckt ihn zu, steckt ihn den Nuckel in den Mund, zeigt ihm die Spielzeuge und verteilt Küsschen. Wir müssen nur aufpassen, dass der Junge unter der grossen Last der Liebe nicht Schaden nimmt. Er ist seit der Geburt mächtig gewachsen, liegt aber immer noch hilfslos da und starrt mit grossen Augen, wie Lissi um ihm herumturnt und erzählt. "Jaaaaaa, nicht weinen," sagt sie mit langgezogener Honigstimme und nimmt seine Hand. Jasper hört tatsächlich auf zu weinen - aus Trost, Erstaunen oder Angst - wer weiss ...

Dienstag, 24. Mai 2011

Da kamen die Störche wieder...

Der Frühling kam wie immer sehr erwartet, aber trotzdem überraschend. Er kam mit der Flut im Garten und auf den Wiesen, kam mit den tausenden Gänse, deren Stimmen die frische Nachtluft bis zur Terrasse trug und die Seele mit einer aufblühenden Lebenslust, sowohl auch unbeschreiblichen Sehnsucht nach irgendetwas Weitem und Abenteuerlichem erfüllt haben.

Danach ging alles schneller als man es begreifen konnte: der Rasen wurde grün und füllte sich mit Krokussen, dann waren sie schon wieder weg und die Beete voller Tulpen und Narzissen. Die Tage, obwohl immer länger, reichten nicht aus, um alles Notwendige zu erledigen: das Land umzugraben, Mist zu verteilen, Unkraut zu jäten, zu düngen, sähen und bepflanzen, die ersten Gartenparties zu feiern...

Und bevor alles erledigt war, kam Jasper zur Welt. Kam wie der Frühling selbst - 6 Tage vor dem Termin etwas überraschend, aber schnell und freudig, jung und frisch und süss. Ein paar Tage später waren wir wieder zu Hause. Lissi war von ihrem kleinen Bruder begeistert. Sie sprach ständig über das Baby, wollte es immer wieder küssen und streicheln, seine winzig kleinen Hände halten. Sie musste unbedingt dabei sein und mithelfen, wenn die Windeln gewechselt wurden und befiel mir, das Baby in den Schoss zu nehmen, wenn es weinte. Brustmilch wurde als Lösung zu allen Situationen empfohlen.

Jetzt steht der Kinderwagen mit dem schlafenden Jasper unter der weissen Blütenpracht der Faulbäume und Lissi hilft mir, die Zwiebeln in die Beete zu setzen. Sie ist mir schon eine unglaublich grosse Hilfe, Papas kleiner Helfer muss erstmal noch Kräfte sammeln...

Mittwoch, 13. April 2011

Kultur tanken

Der Bauch wächst, die freie Zeit wird immer knapper... Also muss man noch die letzten Möglichkeiten nutzen, etwas Kultur zu tanken, so lange es geht. Die Erlebnisse müssen für eine Weile ausreichen.

Zuerst war ich mit Markus in der Oper, wir haben "La Bohème" angeschaut. Ehrlich gesagt, bin ich kein grosser Opern-Fan, aber ich hatte viel Gutes über das Stück gelesen und wollte ihm eine Chance geben. Dass es so gut ist, dass ich eine Packung Taschentücher mit Tränen füllte, hätte ich nicht gedacht! Ein Glück, dass wir auf einem oberen Balkon sassen und es dadurch einfacher war, am Ende mit roten Kaninchenaugen unbemerkt zu verschwinden. Kann ja wohl sein, dass die Schwangerschafts-Hormone bei dem Dauerregen eine Rolle gespielt haben, aber die Oper war auch verdammt schön inszeniert und die Hauptdarstellerin hat ihre Rolle prima gesungen.

Als nächstes war ein Drama dran. "Der August" - von einer Amerikanischer Autorin Tracy Letts, die dafür den Pulitzer Dramapreis bekommen hat. Auch ein Stück, das viel Lob in den Reviews gesehen hat; in der Hauptrolle die Grand Old Lady des Theaters. Der Saal war bis zum letzten Platz ausverkauft, wir haben die Plätze wieder ganz oben auf dem Balkon gehabt, aber der Reiz des erstklassigen Spiels hat uns auch bis dahin erwischt. Super, super war das! Und das Publikum applaudierte lange stehend. Bin echt froh, dass ich diesen Trüffel noch naschen konnte, bevor ich in den Kultururlaub gehe.

Eine Woche später war ich mit Markus wieder in der Oper - diesmal zu "Silva". Es war bunt und lustig wie die Operetten meist sind, gut schon, aber nicht gerade ein Stück, das einem hinterher lange begleitet. Mich hat vielleicht die Hauptdarstellerin ein wenig gestört - peinlich es zu sagen, aber eine Frau, die die Rolle eines Männertraumes spielt, sollte etwas attraktiver sein... sonst fällt es einem schwer das Ganze zu glauben.

Jetzt haben wir noch den Besuch ins Puppentheater vor uns, um auch der kleinen Lissi eine Freude zu machen. Sie ist noch nicht 2 Jahre alt, benimmt sich aber sehr gut und ich bin mir sicher, dass ihr ein Puppenstück sehr gefallen würde. Mal schauen, ob wir dafür noch rechtzeitig Karten bekommen - im April war das ausgewählte Stück bereits ausverkauft. Na ja, ich werde sicherlich berichten, wenn sie ihren ersten Theaterbesuch hinter sich hat.

Dienstag, 22. März 2011

Frauenparty im Dorf

Na ja, es ist jetzt schon eine Weile her, aber an einem Samstag wurde im Dorf Frauentag gefeiert. Ich zögerte lange, ob ich dort hingehe, denn der Schnupfen hat mich müde und lustlos gemacht. Entscheidend war, dass im Programm ein Vortrag von einem Mann stand, der alles über die Natur zu wissen scheint und darüber auch interessanter als egal wer anders erzählen kann. Ich hab' ihn schon einmal früher gehört und wollte die Chance jetzt nicht verpassen.

Als ich mit etwas Verspätung ankam, sah ich durch's Fenster tanzende Männer in Trachten. Sie haben gerade ihren Auftritt beendet, als ich reinkam. Einer von den jungen Männer trat mir entgegen und schenkte mir ein paar Tulpen. Ein schönes Willkommen jedenfalls! Das Publikum war knapp und bestand meist aus älteren Damen. Ich kannte dort keinen. Scheinbar hatten meine Nachbarn andere Pläne für den Abend.

Als nächstes trat ein Blasquartett aus einem Mann und drei Jungs auf. "Zuerst wollen wir einen Stück spielen, das einem Tier gewidmet ist," sagte der Mann, "- einem Tier, das viele Leute nicht gesehen haben und vor dem viele Angst haben - es ist die Kuh". Also hörten wir Musik sowohl für die Kuh als auch zu anderen Themen. Er meinte, dass der Titel dem Zuhörer den Weg weist und somit eine grosse Rolle spielt, wie die Musik wahrgenommen wird. Er brachte als Beispiel seine eigene Erfahrung mit einer "Weihnachtsstimmung", die die Zuhörer gelobt haben als eine Melodie, die das Weihnachtliche - die Atmosphäre, die Vorbereitungen und die heilige Erwartung perfekt weitergibt. Im Sommer wurde dasselbe gespielt, nur diesmal unter dem Titel "Sommerabend". Das Publikum fand allerdings, dass es eindeutig die richtige Sommerabendstimmung darstellt, einer meinte sogar, er hätte in der Melodie den Kuckuck gehört. Auch wir wurden getestet - das letzte Stück wurde uns ohne Titel vorgetragen und wir mussten es danach erraten. "Die Küste", "Ein Tanzabend" lauteten die Angebote. Na ja, "Quark" hiess es wirklich!

Dann war meine Lieblingsbiologe dran. Er arbeitet in einem Zoo und hat tausend lustige Geschichten von seinen guten tierischen Freunden dort, sowohl als auch ein unheimlich grosses Wissen über die Natur und Tiere im Allgemeinen. Er hat versucht, sich diesmal auf das Frauenthema, also auf die weiblichen Tiere und ihre Rolle, zu konzentrieren, driftete aber immer wieder auf superinteressante Seitenwege ab. Wir haben erfahren, dass im Zoo eine alte schlaue Füchsin lebt, die früh morgens vor dem Stromzaun sitzt, der die grosse Fläche und Teiche der Wasservögel umgrenzt, und sich den Rhythmus des Impulsstroms anhört. Als sie es rauskriegt, springt sie zwischen den Impulsen durch den Zaun und versteckt sich im Gebüsch. Sie wartet bis die Pfleger den Vögeln das Futter bringen und wieder abhauen und drängelt sich dann unauffällig zwischen Gänse und Enten zu ihrem bereitgelegten Brei oder Fisch. Die Vögel fasst sie nie an - ein Skandal wäre das letzte, was sie gebrauchen kann!

Oder die Wahrheit des Stierkampfes - viele wissen gar nicht, dass die Stiere keine rote Farbe sehen, rot ist das Tuch nur um für die Menschen attraktiver zu wirken und die Blutflecken besser zu verstecken. Auch das Tuch selber ist dem Stier egal, aber in der Bewegung sieht er eine Provokation - die Herausforderung zu einem Duell. Als ein männliches Tier ist er ein Gentleman und kämpft strickt nach den Regeln. Er greift das provozierende Tuch an und ignoriert den stillstehenden Mann daneben. Sein Verhalten ist vorherzusehen und deswegen wird er besiegt. Warum benutzt man nie Kühe für den Kampf? Weil sie sich kein bisschen für die Duellregeln interessieren. Eine Kuh würde die Situation erstmal betrachten, schnell herausfinden, dass der ganze Mist vom Manne entstammt und würde ihn direkt und ganz brutal angreifen. Also, mit einer Kuh zu kämpfen wäre tausendmal gefährlicher.

Leider kann ich nicht alles Interessante mit Euch teilen, was er uns erzählt hat. Dabei hat er sich vor mich gebogen, um zu zeigen, wie die männliche Vögel ihre Partnerin beeindrucken wollen. Wie gesagt, sehr, sehr toll war das alles. Und danach gab es Kaffe und Kuchen, die die Dorfdamen gebacken hatten und danach noch ein bisschen Musik. Als ich aus dem Raum ging, stand ein alter Mann auf der Tür und sagte mir: "Ich hab' dein Schnupfen weggenommen. Du hast ein Grippevirus, aber ich hab' Deinen Schnupfen weggenommen". Keine Ahnung wer er war, aber etwas Schnupfen hat er doch für mich übrig gelassen - ganz weg war er nicht! ;o)

Jedenfalls kam ich nach Hause in bester Laune und voll neuer Erlebnisse und habe erstmal Markus mit dem überflutet. Es hat sehr gut getan, auch mal wieder alleine aus dem Haus zu kommen. Und die Frauentagsparty hat ihren Zweck erfüllt - ich hab' mich wirklich sehr weiblich gefühlt!

Dienstag, 8. März 2011

Tage der Krankheit

Es hat uns doch erwischt - Lissi, Markus und mich - alle in Abwechslung. Eine blöde Krankheit war es! Die kleine Lissi bekam Schnupfen und schnaufte in der Nacht wie ein Bär. Teilweise war ihr so schwer zu atmen, dass ich ab und zu voll Sorgen zu ihrem Bett ging, um festzustellen, ob sie überhaupt noch atmet. Wir mussten wieder all die unangenehmen Sachen - die Nasensprays, Hustensäfte, das "Piip-piip" (Thermometer) usw. einsetzen. In der Nacht wollte Lissi oft neben mir schlafen: drehte sich hin und her und hustete mir ins Gesicht, was mir keinen erholsamen Schlaf gebracht hat... Am Tag musste sie mir ständig im Schoss sitzen, war gleichzeitig jämmerlich und liebevoll: hat mich umgearmt und geküsst, meine Haare gestreichelt und geweint, wenn ich ein paar Schritte entfernt war.

Als es ihr schon besser ging, ist Markus der Krankheit zum Opfer gefallen. Es kommt bei ihm selten vor, aber wenn, dann ist es der Weltuntergang: er lag mit Schnupfen tagelang im Bett und hat es sein Sterbebett genannt. Morgens habe ich ihm Knoblauchbrote und warme Milch mit Honig dorthin gebracht. Die wurden zum Glück überraschend gern angenommen. Er brauchte aber viel Schlaf und Ruhe, was gleichzeitig längere Tage für mich bedeutete.

Und so habe ich nach der anstrengenden Woche mir das beste Frauentag-Geschenk machen lassen - am Morgen lange ausschlafen! Wir alle sind noch ein bisschen kränklich und Lissi bekommt sogar Antibiotika, aber es wird schon langsam besser. Jetzt reicht es aber auch! Ich will nicht mehr krank sein! Der Winter ist in dem Sinne furchtbar gewesen und es wäre Zeit, dass er mal zu Ende kommt und wir wieder gesund und fit und froh draussen rumlaufen können. Das Wetter gibt aber noch nicht viel Hoffnung...

Donnerstag, 24. Februar 2011

Frisch gestopft

"Bring bitte den toten Hamster runter," sagte ich zu Markus, als der Wind im Wohnzimmer schon spürbar wurde. Wir haben eigentlich keine Haustiere, besonders nicht tote, aber irgendwie haben wir mal angefangen, das Isoliermaterial so zu nennen. Es ist eine Art Filz oder Werg, wahrscheinlich aus Leinen hergestellt, womit man die Spalten in den Blockwänden verdichtet. Diese Arbeit muss man ab und zu mal wiederholen, denn es dauert Jahre, bis ein Blockhaus sich endgültig gesetzt hat und so lange sind die Balken in Bewegung. Sie senken sich auf einander und besonders in den kalten Winternächten - wie jetzt - knallen sie manchmal laut wegen der Temperaturunterschiede. Eine Isolierung kann man deswegen an der Aussenwand noch nicht anbringen bis das Haus mit dem Sinken fertig ist. Man kann die Wände aber schön dicht machen - das reicht auch.

Also hat Markus eine Rolle Filz von der zweiten Etage, die noch im Ausbau ist, runtergeholt, ich stellte mir eine kleine Leiter ins Wohnzimmer und fing an, mit der Hand über die Wände zu gleiten, um herauszufinden, woher die Kälte reinkommt. Die grossen Risse sind eigentlich ganz harmlos, denn die sind nicht durchgehend und haben nur eine optische Wirkung. Am hinterlistigsten sind die ganz schmalen Öffnungen in den Ecken, wo die Blöcke quer übereinander liegen. Da verstecken sich schöne kalte Zwischenräume, so dass man beim Stopfen des kleinsten Spaltes am Ende ein grosses Paket Werg reingesteckt hat.

Nach der Arbeit fühlt sich die Ecke schon wärmer an, das kann aber auch an der körperlichen Leistung liegen. Die Nase juckt und die Kehle kratzt - wohl wegen der haarigen und staubigen Art des Materials, denke ich und versuche, die Atemwege sauber zu kriegen. Stunden später spüre ich das Krabbeln immer noch. Das ist verdächtig. Nicht schon wieder eine Erkältung, oder? Lissi ist am Abend extrem liebevoll zu mir und versucht immer wieder, mein Gesicht mit ihren Küssen zu bedecken. Es gelingt mir nicht vollkommen sie fern zu halten. Vor dem Einschlafen fühle ich schon, dass ich krank werde. Hauptsache Lissi nicht auch!

Mittwoch, 23. Februar 2011

Etwas zu erwarten...

Bin mal wieder in der Stadt gewesen - zum "Bauch messen", also bei einer der regelmässigen Kontrollen der Hebamme während der Schwangerschaft. Alles schien in Ordnung zu sein, ich hab' nur ziemlich viel zugenommen im letzten Monat. Dafür gab es kaum Extrakilos in den ersten 5 Monaten, also ist alles noch in Balance. Für mich selbst war es aber schwer in Balance zu stehen - die Schwangeren bewegen sich eh' etwas entenartig; jetzt war es aber auch die einzig mögliche Gangart für die anderen, denn die Strassen sind teilweise totale Eisrutschen. Am besten würde man gerade mit Schlittschuhen vorwärts kommen. Immerhin gibt es Mädels, die es versuchen, mit glatten Stiefelchen und hohen, stift-schmale Absätzen auf dem Eis zu stöckeln. Soll es wirklich sexy aussehen?

Aber zurück zum Thema! Also habe ich Euch verraten, dass ich schon etwas runder geworden bin und wenn alles gut klappt, wird unsere Familie Mitte Mai grösser werden. Ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, kann man ja mit dem Ultraschall nie 100 % sicher sagen, es sah aber diesmal mehr nach einem Jungen aus. Na, mal schau'n?! Markus träumt schon von der elektrischen Eisenbahn, geilen Baukonstruktionen und einer Carrera-Autorennbahn - also Sachen, mit denen die Papas gerne selbst spielen, so lange das Kind noch nicht alt genug ist. Lissi ist noch zu klein, um es zu verstehen, aber seitdem ich ihr gesagt habe, dass ich ein Baby im Bauch habe, streichelt sie ihn immer wieder und sagt "Baby, Baby". Manchmal halte ich ihre Hand an eine Stelle auf meinem Bauch, damit sie spürt, wie der Kleine da drinnen klopft und sich dreht. Sie schaut sich auch sehr gerne Babybilder in Büchern und Zeitschriften an und schaukelt ihre Puppe, was ja alles gute Hoffnungen macht, dass sie mit dem neuen Familienmitglied gut zurecht kommen könnte, aber sicher weiss man es nie. Wenn Markus mich z. B. in die Arme nimmt, drückt sie ihn zur Seite, um mich selbst zu umarmen. Im Frühling gibt es aber im Garten genug interessantes zu tun, so das man hoffentlich weniger Zeit für Eifersucht hat.

Was das alles aber für den Garten und das Feld bedeutet, mag ich noch nicht zu denken. Lissi, die auch im Sommer geboren ist, hat mich damals ganz schön an den Sessel gebunden und ich konnte beim Stillen nur aus dem Fenster beobachten, wie meine Mutti auf dem Feld schuftete. Das will ich ihr nicht noch einmal antun, aber ob es klappt, auch neben zwei kleinen Kindern Zeit und Kraft für die Arbeit zu finden, das werden wir sehen.

Sonntag, 20. Februar 2011

Sport, Kunst und Pizza

Der Frost weicht nicht zurück, aber wir versuchen trotzdem - so weit es geht - ein normales Leben zu führen. Die Spaziergänge draussen werden kürzer, damit uns die Nasen dranbleiben, dafür gehe ich am Morgen mit Lissi zu ihrer "Trainingsstunde". Es sieht so aus, das etwa ein halbes Dutzend 1,5- bis 2-Jähriger zuerst für eine Stunde von den Eltern und der Trainerin geführt rumlaufen, sowohl über und unter Hindernissen klettern als auch durch Tunnel krabbeln. Danach sind die Mamas fix und fertig und lassen die kleinen noch eine Weile spielen und die Rutsche runterrutschen. Es ist herzerwärmend zu beobachten, wie ein kleiner Bengel mit grossen unschuldigen Augen auf der Polizeimotorrad-Schaukel sitzt und dabei so träumerisch in die Ferne schaut, als würde er gerade Poesie komponieren. Ein Mädchen mit heissem Temperament muss immer auf zwei Spielautos auf einmal sitzen, wofür sie merkwürdige akrobatische Leistungen zeigt. Lissi ist eher zurückhaltend und eine Einzelgängerin. Am liebsten fängt sie an, alles in Ordnung zu bringen - ist ja klar, dass grosse Bälle und Luftballons nicht in das Ballmeer mit kleinen Bällen reinpassen - die muss man aussortieren.

Später gehe ich zum Keramikkurs. Heute lernen wir Fotos auf Keramik zu übertragen. Es ist eine aufwändige Arbeit, das Resultat, falls gelungen, sieht aber Klasse aus. Auch die Mocca-Technik gefällt mir sofort - nach ein par schnellen Bewegungen läuft die Farbe auf dem Teller in Baum-artige Figuren. Der Kurs ist eine herrliche Abwechslung zum Alltag. Man taucht vollkommen in Kunst und Kreativität ein und vergisst die tägliche Sorgen und Pflichten. Wenn ich voll neuer Ideen nach Hause komme, steht das Haus relativ dunkel unter einem riesigen hellen Mond, der den Schnee mit seinem Licht überflutet. Aus dem Fenster beobachten wir lange vier Rehe, die im Garten sich Nahrung suchen und an den Ästen knabbern, die wir zum Brennen zu einem Haufen geworfen haben. Die armen Tiere haben noch eine kalte Nacht vor sich.

Ein bisschen Abwechslung bringt auch ein anderer Abend mit Markus zu zweit in der Stadt. Lissi wird zur Oma gebracht und wir gehen in ein italienisches Restaurant essen. Eigentlich war auch ein Kinobesuch geplant, aber der Film, den wir sehen wollen, wird ab heute nur mittags gezeigt. Es ist ärgerlich, lässt sich aber nicht ändern. Stattdessen schleppt mich Markus von einem Baumarkt in den nächsten und schaut sich die langweiligsten Schrauben und Scharniere so lange an, dass ich jede Lust und Laune für einen romantischen Abend verliere und bereit bin, vor Müdigkeit umzufallen. Doch als wir endlich mal im Restaurant landen und im Kerzenlicht die Liste der leckeren Pizzen anschauen, wird mit der Welt wieder Frieden geschlossen. Ein bisschen Müdigkeit kann man mir vergeben - jemand ist ja in meinem Bauch am Wachsen. Aber davon ein anderes mal mehr ...

Donnerstag, 17. Februar 2011

Lissi lernt den Topfgang

Kleine Kinder und Babys sind super süss - besonders wenn man sie nur ab und zu mal sieht. Für die Mama besteht der Alltag aus einem wiederholten Windelwechseln. So produziert ein Kind, bevor es aus dem Alter kommt, mehrere Tonnen Müll, der auch nach hundert Jahren auf der Müllheide kaum zerfallen ist. Ich wollte nicht, dass Lissi ihr Leben mit einer so grossen Schuld an der Umwelt anfangen muss und habe mich deswegen für Stoffwindeln entschieden - moderne, fertig genähte, mehrschichtige Windeln, die man an der Hüfte mit speziellen Klammern befestigt. Sie sind bequem, sehr hautfreundlich und umweltfreundlich, denn man kann sie einfach in der Maschine waschen. Nur während der Schlafzeit und wenn wir ausgehen, hat Lissi einmalige kompostierbare Ökowindeln an, weil sie etwas Wasser- (das heisst Pipi-) dichter sind. Dieses System hat bisher gut geklappt, nun wäre es aber an der Zeit, Windeln komplett zu vergessen. Deswegen bringen wir Lissi schon seit Sommer den Topfgang bei. Es gibt solche und solche Tage. Wenn Markus oder ich auf die Toilette gehen, ruft sie: "Auch, auch!", setzt sich auf ihr Töpfchen, spielt mit Bausteinen und erzählt: "Kacka, Papa auch Kacka, Mama auch Kacka". Oft lässt das Ergebnis aber auf sich warten. Für solche lange Wartezeiten haben wir uns ein Bündel Sudoku-Rätsel bereit gelegt und einen Hocker hingestellt. So halten Markus oder ich auf der Toilette lange, aber interessante Sitzungen ab.
Manchmal meldet sie sich auch schon selbstständig, oft aber informiert sie uns erst hinterher, wenn die Hosen schon nass sind. Dabei hat sie verstanden, dass das Thema für uns wichtig ist. So kommt es mittags und abends vor, dass sie schlaflos im Bett steht und "Kacka" ruft, in der Hoffnung, damit eine extra halbe Stunde zum Spielen auf dem Topf zu gewinnen. Am Anfang ist es ihr auch gelungen, jetzt aber lassen wir uns nicht mehr austricksen. "Kein Kacka, Lissi. Schlaf schön!" rufen wir ihr zurück und finden sie bald im süssen Schlaf, den Pyjama halbwegs aufgeknöpft, den Hopa (ihr Kuschelhase) in den Armen.
Es kommen auch lustige Momente vor. Einmal, wenn sie in meinem Schoss sass, fühlte es sich plötzlich etwas nass an. Ich hab' sie auf den Boden gestellt und sah, dass meine Hosenbeine tatsächlich ganz nass waren. "Wer hat denn in die Hose gemacht?!" warf ich ihr vor. "Mama!" meinte sie und sah mich mit ihren runden Augen ganz unschuldig an.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Gefangen in der Kälte

Lissi kommt am Morgen ins grosse Bett, schiebt Markus ein bisschen zur Seite, um sich Platz zwischen uns beiden zu verschaffen, drückt ihre Füsschen gegen meinen Bauch und seufzt zufrieden: "warm!". Um ihren Genuss weiter zu äussern, wiederholt sie mehrmals "Mama, Papa, Mama, Papa", nimmt mein Gesicht zwischen ihre Händchen und drückt mir ein Kuss auf den Mund. So macht es Spass, den Tag zu beginnen!
Am Vormittag haben wir vor, uns mit einer Gruppe Kleinkinder und ihren Müttern zu treffen und die Kinder zusammen spielen zu lassen, während wir bei einer Tasse Tee unseren Nachwuchs loben. Wir sind schon vorbereitet und Lissi klopft an die Flurtür - "Baby, Baby" rufend, dann stellt sich aber heraus, dass die Temperaturen unter -20ˇC über Nacht unserem Wagen den Lebensmut geraubt haben - er gibt gar keine Geräusche mehr von sich ab. Wir decken ihn liebevoll zu, in der Hoffnung, dass er uns zumindest später bedienen kann und bleiben erstmal zuhause. Vom Fenster sieht das Wetter schön aus: über breite Schneelandschaften schwebt zarter Nebel, einige weiss gefrorene Bäume zeichnen sich ab. Später scheint im Süden die kalte Wintersonne, wobei am Nordhimmel ein runder weisser Mond hängt.
Am Abend wollen wir Lissi zu meinen Eltern bringen und dann ein paar Freunde besuchen, die im November ein Kind bekommen haben. Das Auto liegt aber immer noch im Koma. Widerwillig muss ich meinen Vater Norbert zu Hilfe bitten. Mein Vater ist ein komplizierter Mensch und etwas kompliziert ist dadurch auch unser Verhältnis. In der Mitte seiner 50er Lebensjahre ist er immer noch gross und schlank, aber durch falsche Lebensweise früh gealtert. Er besitzt goldene Hände und einen prima Verstand für technische Probleme, dafür aber keinen Verstand für den passenden Umgang mit den Menschen - besonders für seine eigene Familie. Sein Selbstwertgefühl ist nicht besonders gross und das lässt sich am besten damit ausgleichen, dass man die Fehler bei den anderen sucht.
Als er ankommt, sieht er düster aus, erspart sich aber trotzdem keine Mühe, um das Auto mit Markus so hinzuschieben, dass man die Motoren der beiden Fahrzeuge mit den Ladekabeln verbinden kann. Ich und Lissi beobachten aus dem Fenster wie die beiden hin und her laufen, die Türen öffnen und schliessen, irgendetwas suchen und erfolglos versuchen, die gefrorene Kofferraumklappe aufzuhebeln. Lange dauert das alles und ich sehe, dass mein Vater nicht zufrieden ist. Dann kommt er rein und seine Stimme ist voll Kritik. "Ihr musst Euch doch mal manche Sachen klar machen.", mahnt er, "Ihr habt kein Abschleppseil im Wagen, der Kofferraum ist zugefroren - die Klappe muss man doch mit Silikon-Öl einölen!" Die Vorlesung wird vom hereinstürzenden Markus unterbrochen und wir ziehen uns an, um aufzubrechen.
Unsere Waschmaschine ist zur Zeit kaputt und wir müssen die Wäsche zu meiner Mutter zum Waschen mitnehmen. Der Eingang ist voll Tüten und Taschen. Markus bekommt aber einen Anruf und labert ruhig und gelassen im Haus. Vater trampelt nervös im Garten rum und hilft auch nicht mit, wenn ich den ganzen Kram und Lissi's Autositz alleine in den Wagen schleppe. "Männer!" denke ich bitter und versuche den Vater zu beruhigen, dass das Telefonat, das uns aufhält, gleich vorbei sein wird. Wir fahren hintereinander, damit er helfen kann, wenn unser Auto unterwegs versagt. Es hält aber durch, Lissi wird an Omi übergeben und wir machen uns in die Stadt auf. Die sonnige Laune von Markus erwärmt die eisige Luft zwischen uns und wir verbringen einen tollen Abend mit Freunden, leckerem Essen und einem kleinen Baby, das sich zum Glück gut benimmt. Zumindest diesmal ist es uns gelungen, aus dem Kältegefängnis zu fliehen.

Dienstag, 15. Februar 2011

Eiskalter und herzerwärmender Valentinstag

Bitterkalt ist es gestern Nacht gewesen. Wenn ich am Vormittag mit Lissi ausgehe, versucht die Sonne erfolglos etwas Wärme in die gefrorene Welt zu bringen. Die Kohlmeisen sitzen auf den Ästen, die Federkleider möglichst kugelrund aufgeplustert und warten hungrig und ungeduldig auf uns. Eine hat schon zur Erinnerung ans Fenster geklopft - vielleicht dieselbe Mutige, die uns jetzt so vertraut, dass ich mich hinhocke, die Hand mit den Körner ausstrecke und sie auf meinem Handschuh landet. Schwups, ein Nuss geschnappt und weg ist sie. Lissi neben mir ist stumm vor Begeisterung. Wir füllen das Futterhäuschen und beobachten aus der Distanz wie mehrere Dutzend Meisen gleich essen kommen. Plötzlich schrecken sie auf und sind "viuh!" weg. Ein Falke landet ein paar Meter von mir entfernt auf einem Ast. Die Raubvögel halten sich immer von den Menschen fern, aber in einem weissen Skianzug hockend, hat er mich wahrscheinlich nicht als Mensch erkannt. Ich hab' einen Falken noch nie so sah gesehen. Er schaut mir in die Augen, versteht seinen Fehler und verschwindet. Aber später, wenn wir wieder drinnen sind, sehe ich aus dem Fenster, wie er unter einem Tannenbaum mit den Raben kämpft, die hier ein Nest und in der Umgebung die Obermacht haben. Der Falke muss zurückweichen.
Wir gehen aber erstmal auf die grosse Terrasse an der Südseite des Hauses. Im Sommer blühen hier drumherum Rosen und Duftwickeln, jetzt liegen an deren Stellen Schneehaufen, die höher sind als das Geländer. Die Berge nehmen noch zu, wenn ich die Terrasse vom frischen Schnee freischaufle. Lissi, ein unglaublich fleissiges und hilfsbereites Kind, nimmt kleine Schneestücke zwischen ihre Händchen und wirft sie über das Geländer. Danach zieht sie mit ihrem Handschuh auch die Bänke sauber. Wir setzen uns kurz hin, sie in meinem Schoss, runde Wangen rot wie reife Äpfel, eine kleine und eine grosse Nase gegen die Sonne gerichtet. Wenn man so von der Arbeit erwärmt die Augen schliesst und viel Vorstellungskraft hat, kann man sogar träumen, dass irgendwann mal wieder Frühling kommt.
Am Nachmittag war ich in der Stadt. Die Züge hatten Verspätung, Menschen waren unterwegs mit gefrorenen Nasen und herzförmigen Torten in der Hand. Zurück zuhause fand ich den Esstisch mit Kerzen beleuchtet und schön dekoriert, eine viergängige Mahlzeit war vorbereitet - ein liebevolles Geschenk von Markus. Warme Suppe, heisser Trüffeltee und die Gemütlichkeit im Familienkreise brachten die Wärme in die Glieder und in das Herz zurück.

Montag, 14. Februar 2011

Wir stellen uns vor

Dort, wo der Fluss in jedem Frühling die flachen Felder und Wiesen überflutet und zu einem herrlichen See für die ankommenden Gänse und Schwäne verwandelt, wo der Südwind - ohne Hindernisse zu treffen - frei und stark im Sommer angenehme Frische und im Winter bittere Kälte in den Hof weht, steht ein kleines altes Dorf und mitten drin ein Blockhaus mit einem langen, schmalen Garten wie ein Strumpf. Da wohnen wir - ich (Kerstin), mein Mann Markus und unsere kleine Liesbeth, Lissi genannt und anderthalb Jahre alt. Tiere brauchen wir nicht zu haben - die Nachbarkatzen und manchmal auch die Hunde besuchen uns oft. Dazu noch eine Menge Vögel, die hier morgens einen bedeckten Tisch finden, und ein frecher Hase, der sich selbst zu einer Mahlzeit an den Obstbäumen und Rosen einlädt. Ab und zu läuft mal ein Fuchs über die Felder oder stapfen die Rehe durch den dicken Schnee. Mit viel Liebe und viel harter Arbeit haben wir das Zuhause gebaut. Viel Liebe und viel Arbeit gibt es hier heute noch. Und die wollen wir gerne mit Euch teilen. Herzlich willkommen in unserem Blog!