"Bring bitte den toten Hamster runter," sagte ich zu Markus, als der Wind im Wohnzimmer schon spürbar wurde. Wir haben eigentlich keine Haustiere, besonders nicht tote, aber irgendwie haben wir mal angefangen, das Isoliermaterial so zu nennen. Es ist eine Art Filz oder Werg, wahrscheinlich aus Leinen hergestellt, womit man die Spalten in den Blockwänden verdichtet. Diese Arbeit muss man ab und zu mal wiederholen, denn es dauert Jahre, bis ein Blockhaus sich endgültig gesetzt hat und so lange sind die Balken in Bewegung. Sie senken sich auf einander und besonders in den kalten Winternächten - wie jetzt - knallen sie manchmal laut wegen der Temperaturunterschiede. Eine Isolierung kann man deswegen an der Aussenwand noch nicht anbringen bis das Haus mit dem Sinken fertig ist. Man kann die Wände aber schön dicht machen - das reicht auch.
Also hat Markus eine Rolle Filz von der zweiten Etage, die noch im Ausbau ist, runtergeholt, ich stellte mir eine kleine Leiter ins Wohnzimmer und fing an, mit der Hand über die Wände zu gleiten, um herauszufinden, woher die Kälte reinkommt. Die grossen Risse sind eigentlich ganz harmlos, denn die sind nicht durchgehend und haben nur eine optische Wirkung. Am hinterlistigsten sind die ganz schmalen Öffnungen in den Ecken, wo die Blöcke quer übereinander liegen. Da verstecken sich schöne kalte Zwischenräume, so dass man beim Stopfen des kleinsten Spaltes am Ende ein grosses Paket Werg reingesteckt hat.
Nach der Arbeit fühlt sich die Ecke schon wärmer an, das kann aber auch an der körperlichen Leistung liegen. Die Nase juckt und die Kehle kratzt - wohl wegen der haarigen und staubigen Art des Materials, denke ich und versuche, die Atemwege sauber zu kriegen. Stunden später spüre ich das Krabbeln immer noch. Das ist verdächtig. Nicht schon wieder eine Erkältung, oder? Lissi ist am Abend extrem liebevoll zu mir und versucht immer wieder, mein Gesicht mit ihren Küssen zu bedecken. Es gelingt mir nicht vollkommen sie fern zu halten. Vor dem Einschlafen fühle ich schon, dass ich krank werde. Hauptsache Lissi nicht auch!
Eine kleine Familie mit einem süssen Kind, ein Blockhaus mit grossem Garten auf dem Land. Viel Arbeit, viel Liebe, grosse Träume und tägliche Sorgen, mal Tränen, mal Lachen, ab und zu mal sonderbare Nachbarn und Verwandte - das ist unser Landleben!
Donnerstag, 24. Februar 2011
Mittwoch, 23. Februar 2011
Etwas zu erwarten...
Bin mal wieder in der Stadt gewesen - zum "Bauch messen", also bei einer der regelmässigen Kontrollen der Hebamme während der Schwangerschaft. Alles schien in Ordnung zu sein, ich hab' nur ziemlich viel zugenommen im letzten Monat. Dafür gab es kaum Extrakilos in den ersten 5 Monaten, also ist alles noch in Balance. Für mich selbst war es aber schwer in Balance zu stehen - die Schwangeren bewegen sich eh' etwas entenartig; jetzt war es aber auch die einzig mögliche Gangart für die anderen, denn die Strassen sind teilweise totale Eisrutschen. Am besten würde man gerade mit Schlittschuhen vorwärts kommen. Immerhin gibt es Mädels, die es versuchen, mit glatten Stiefelchen und hohen, stift-schmale Absätzen auf dem Eis zu stöckeln. Soll es wirklich sexy aussehen?
Aber zurück zum Thema! Also habe ich Euch verraten, dass ich schon etwas runder geworden bin und wenn alles gut klappt, wird unsere Familie Mitte Mai grösser werden. Ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, kann man ja mit dem Ultraschall nie 100 % sicher sagen, es sah aber diesmal mehr nach einem Jungen aus. Na, mal schau'n?! Markus träumt schon von der elektrischen Eisenbahn, geilen Baukonstruktionen und einer Carrera-Autorennbahn - also Sachen, mit denen die Papas gerne selbst spielen, so lange das Kind noch nicht alt genug ist. Lissi ist noch zu klein, um es zu verstehen, aber seitdem ich ihr gesagt habe, dass ich ein Baby im Bauch habe, streichelt sie ihn immer wieder und sagt "Baby, Baby". Manchmal halte ich ihre Hand an eine Stelle auf meinem Bauch, damit sie spürt, wie der Kleine da drinnen klopft und sich dreht. Sie schaut sich auch sehr gerne Babybilder in Büchern und Zeitschriften an und schaukelt ihre Puppe, was ja alles gute Hoffnungen macht, dass sie mit dem neuen Familienmitglied gut zurecht kommen könnte, aber sicher weiss man es nie. Wenn Markus mich z. B. in die Arme nimmt, drückt sie ihn zur Seite, um mich selbst zu umarmen. Im Frühling gibt es aber im Garten genug interessantes zu tun, so das man hoffentlich weniger Zeit für Eifersucht hat.
Was das alles aber für den Garten und das Feld bedeutet, mag ich noch nicht zu denken. Lissi, die auch im Sommer geboren ist, hat mich damals ganz schön an den Sessel gebunden und ich konnte beim Stillen nur aus dem Fenster beobachten, wie meine Mutti auf dem Feld schuftete. Das will ich ihr nicht noch einmal antun, aber ob es klappt, auch neben zwei kleinen Kindern Zeit und Kraft für die Arbeit zu finden, das werden wir sehen.
Aber zurück zum Thema! Also habe ich Euch verraten, dass ich schon etwas runder geworden bin und wenn alles gut klappt, wird unsere Familie Mitte Mai grösser werden. Ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, kann man ja mit dem Ultraschall nie 100 % sicher sagen, es sah aber diesmal mehr nach einem Jungen aus. Na, mal schau'n?! Markus träumt schon von der elektrischen Eisenbahn, geilen Baukonstruktionen und einer Carrera-Autorennbahn - also Sachen, mit denen die Papas gerne selbst spielen, so lange das Kind noch nicht alt genug ist. Lissi ist noch zu klein, um es zu verstehen, aber seitdem ich ihr gesagt habe, dass ich ein Baby im Bauch habe, streichelt sie ihn immer wieder und sagt "Baby, Baby". Manchmal halte ich ihre Hand an eine Stelle auf meinem Bauch, damit sie spürt, wie der Kleine da drinnen klopft und sich dreht. Sie schaut sich auch sehr gerne Babybilder in Büchern und Zeitschriften an und schaukelt ihre Puppe, was ja alles gute Hoffnungen macht, dass sie mit dem neuen Familienmitglied gut zurecht kommen könnte, aber sicher weiss man es nie. Wenn Markus mich z. B. in die Arme nimmt, drückt sie ihn zur Seite, um mich selbst zu umarmen. Im Frühling gibt es aber im Garten genug interessantes zu tun, so das man hoffentlich weniger Zeit für Eifersucht hat.
Was das alles aber für den Garten und das Feld bedeutet, mag ich noch nicht zu denken. Lissi, die auch im Sommer geboren ist, hat mich damals ganz schön an den Sessel gebunden und ich konnte beim Stillen nur aus dem Fenster beobachten, wie meine Mutti auf dem Feld schuftete. Das will ich ihr nicht noch einmal antun, aber ob es klappt, auch neben zwei kleinen Kindern Zeit und Kraft für die Arbeit zu finden, das werden wir sehen.
Sonntag, 20. Februar 2011
Sport, Kunst und Pizza
Der Frost weicht nicht zurück, aber wir versuchen trotzdem - so weit es geht - ein normales Leben zu führen. Die Spaziergänge draussen werden kürzer, damit uns die Nasen dranbleiben, dafür gehe ich am Morgen mit Lissi zu ihrer "Trainingsstunde". Es sieht so aus, das etwa ein halbes Dutzend 1,5- bis 2-Jähriger zuerst für eine Stunde von den Eltern und der Trainerin geführt rumlaufen, sowohl über und unter Hindernissen klettern als auch durch Tunnel krabbeln. Danach sind die Mamas fix und fertig und lassen die kleinen noch eine Weile spielen und die Rutsche runterrutschen. Es ist herzerwärmend zu beobachten, wie ein kleiner Bengel mit grossen unschuldigen Augen auf der Polizeimotorrad-Schaukel sitzt und dabei so träumerisch in die Ferne schaut, als würde er gerade Poesie komponieren. Ein Mädchen mit heissem Temperament muss immer auf zwei Spielautos auf einmal sitzen, wofür sie merkwürdige akrobatische Leistungen zeigt. Lissi ist eher zurückhaltend und eine Einzelgängerin. Am liebsten fängt sie an, alles in Ordnung zu bringen - ist ja klar, dass grosse Bälle und Luftballons nicht in das Ballmeer mit kleinen Bällen reinpassen - die muss man aussortieren.
Später gehe ich zum Keramikkurs. Heute lernen wir Fotos auf Keramik zu übertragen. Es ist eine aufwändige Arbeit, das Resultat, falls gelungen, sieht aber Klasse aus. Auch die Mocca-Technik gefällt mir sofort - nach ein par schnellen Bewegungen läuft die Farbe auf dem Teller in Baum-artige Figuren. Der Kurs ist eine herrliche Abwechslung zum Alltag. Man taucht vollkommen in Kunst und Kreativität ein und vergisst die tägliche Sorgen und Pflichten. Wenn ich voll neuer Ideen nach Hause komme, steht das Haus relativ dunkel unter einem riesigen hellen Mond, der den Schnee mit seinem Licht überflutet. Aus dem Fenster beobachten wir lange vier Rehe, die im Garten sich Nahrung suchen und an den Ästen knabbern, die wir zum Brennen zu einem Haufen geworfen haben. Die armen Tiere haben noch eine kalte Nacht vor sich.
Ein bisschen Abwechslung bringt auch ein anderer Abend mit Markus zu zweit in der Stadt. Lissi wird zur Oma gebracht und wir gehen in ein italienisches Restaurant essen. Eigentlich war auch ein Kinobesuch geplant, aber der Film, den wir sehen wollen, wird ab heute nur mittags gezeigt. Es ist ärgerlich, lässt sich aber nicht ändern. Stattdessen schleppt mich Markus von einem Baumarkt in den nächsten und schaut sich die langweiligsten Schrauben und Scharniere so lange an, dass ich jede Lust und Laune für einen romantischen Abend verliere und bereit bin, vor Müdigkeit umzufallen. Doch als wir endlich mal im Restaurant landen und im Kerzenlicht die Liste der leckeren Pizzen anschauen, wird mit der Welt wieder Frieden geschlossen. Ein bisschen Müdigkeit kann man mir vergeben - jemand ist ja in meinem Bauch am Wachsen. Aber davon ein anderes mal mehr ...
Später gehe ich zum Keramikkurs. Heute lernen wir Fotos auf Keramik zu übertragen. Es ist eine aufwändige Arbeit, das Resultat, falls gelungen, sieht aber Klasse aus. Auch die Mocca-Technik gefällt mir sofort - nach ein par schnellen Bewegungen läuft die Farbe auf dem Teller in Baum-artige Figuren. Der Kurs ist eine herrliche Abwechslung zum Alltag. Man taucht vollkommen in Kunst und Kreativität ein und vergisst die tägliche Sorgen und Pflichten. Wenn ich voll neuer Ideen nach Hause komme, steht das Haus relativ dunkel unter einem riesigen hellen Mond, der den Schnee mit seinem Licht überflutet. Aus dem Fenster beobachten wir lange vier Rehe, die im Garten sich Nahrung suchen und an den Ästen knabbern, die wir zum Brennen zu einem Haufen geworfen haben. Die armen Tiere haben noch eine kalte Nacht vor sich.
Ein bisschen Abwechslung bringt auch ein anderer Abend mit Markus zu zweit in der Stadt. Lissi wird zur Oma gebracht und wir gehen in ein italienisches Restaurant essen. Eigentlich war auch ein Kinobesuch geplant, aber der Film, den wir sehen wollen, wird ab heute nur mittags gezeigt. Es ist ärgerlich, lässt sich aber nicht ändern. Stattdessen schleppt mich Markus von einem Baumarkt in den nächsten und schaut sich die langweiligsten Schrauben und Scharniere so lange an, dass ich jede Lust und Laune für einen romantischen Abend verliere und bereit bin, vor Müdigkeit umzufallen. Doch als wir endlich mal im Restaurant landen und im Kerzenlicht die Liste der leckeren Pizzen anschauen, wird mit der Welt wieder Frieden geschlossen. Ein bisschen Müdigkeit kann man mir vergeben - jemand ist ja in meinem Bauch am Wachsen. Aber davon ein anderes mal mehr ...
Donnerstag, 17. Februar 2011
Lissi lernt den Topfgang
Kleine Kinder und Babys sind super süss - besonders wenn man sie nur ab und zu mal sieht. Für die Mama besteht der Alltag aus einem wiederholten Windelwechseln. So produziert ein Kind, bevor es aus dem Alter kommt, mehrere Tonnen Müll, der auch nach hundert Jahren auf der Müllheide kaum zerfallen ist. Ich wollte nicht, dass Lissi ihr Leben mit einer so grossen Schuld an der Umwelt anfangen muss und habe mich deswegen für Stoffwindeln entschieden - moderne, fertig genähte, mehrschichtige Windeln, die man an der Hüfte mit speziellen Klammern befestigt. Sie sind bequem, sehr hautfreundlich und umweltfreundlich, denn man kann sie einfach in der Maschine waschen. Nur während der Schlafzeit und wenn wir ausgehen, hat Lissi einmalige kompostierbare Ökowindeln an, weil sie etwas Wasser- (das heisst Pipi-) dichter sind. Dieses System hat bisher gut geklappt, nun wäre es aber an der Zeit, Windeln komplett zu vergessen. Deswegen bringen wir Lissi schon seit Sommer den Topfgang bei. Es gibt solche und solche Tage. Wenn Markus oder ich auf die Toilette gehen, ruft sie: "Auch, auch!", setzt sich auf ihr Töpfchen, spielt mit Bausteinen und erzählt: "Kacka, Papa auch Kacka, Mama auch Kacka". Oft lässt das Ergebnis aber auf sich warten. Für solche lange Wartezeiten haben wir uns ein Bündel Sudoku-Rätsel bereit gelegt und einen Hocker hingestellt. So halten Markus oder ich auf der Toilette lange, aber interessante Sitzungen ab.
Manchmal meldet sie sich auch schon selbstständig, oft aber informiert sie uns erst hinterher, wenn die Hosen schon nass sind. Dabei hat sie verstanden, dass das Thema für uns wichtig ist. So kommt es mittags und abends vor, dass sie schlaflos im Bett steht und "Kacka" ruft, in der Hoffnung, damit eine extra halbe Stunde zum Spielen auf dem Topf zu gewinnen. Am Anfang ist es ihr auch gelungen, jetzt aber lassen wir uns nicht mehr austricksen. "Kein Kacka, Lissi. Schlaf schön!" rufen wir ihr zurück und finden sie bald im süssen Schlaf, den Pyjama halbwegs aufgeknöpft, den Hopa (ihr Kuschelhase) in den Armen.
Es kommen auch lustige Momente vor. Einmal, wenn sie in meinem Schoss sass, fühlte es sich plötzlich etwas nass an. Ich hab' sie auf den Boden gestellt und sah, dass meine Hosenbeine tatsächlich ganz nass waren. "Wer hat denn in die Hose gemacht?!" warf ich ihr vor. "Mama!" meinte sie und sah mich mit ihren runden Augen ganz unschuldig an.
Manchmal meldet sie sich auch schon selbstständig, oft aber informiert sie uns erst hinterher, wenn die Hosen schon nass sind. Dabei hat sie verstanden, dass das Thema für uns wichtig ist. So kommt es mittags und abends vor, dass sie schlaflos im Bett steht und "Kacka" ruft, in der Hoffnung, damit eine extra halbe Stunde zum Spielen auf dem Topf zu gewinnen. Am Anfang ist es ihr auch gelungen, jetzt aber lassen wir uns nicht mehr austricksen. "Kein Kacka, Lissi. Schlaf schön!" rufen wir ihr zurück und finden sie bald im süssen Schlaf, den Pyjama halbwegs aufgeknöpft, den Hopa (ihr Kuschelhase) in den Armen.
Es kommen auch lustige Momente vor. Einmal, wenn sie in meinem Schoss sass, fühlte es sich plötzlich etwas nass an. Ich hab' sie auf den Boden gestellt und sah, dass meine Hosenbeine tatsächlich ganz nass waren. "Wer hat denn in die Hose gemacht?!" warf ich ihr vor. "Mama!" meinte sie und sah mich mit ihren runden Augen ganz unschuldig an.
Mittwoch, 16. Februar 2011
Gefangen in der Kälte
Lissi kommt am Morgen ins grosse Bett, schiebt Markus ein bisschen zur Seite, um sich Platz zwischen uns beiden zu verschaffen, drückt ihre Füsschen gegen meinen Bauch und seufzt zufrieden: "warm!". Um ihren Genuss weiter zu äussern, wiederholt sie mehrmals "Mama, Papa, Mama, Papa", nimmt mein Gesicht zwischen ihre Händchen und drückt mir ein Kuss auf den Mund. So macht es Spass, den Tag zu beginnen!
Am Vormittag haben wir vor, uns mit einer Gruppe Kleinkinder und ihren Müttern zu treffen und die Kinder zusammen spielen zu lassen, während wir bei einer Tasse Tee unseren Nachwuchs loben. Wir sind schon vorbereitet und Lissi klopft an die Flurtür - "Baby, Baby" rufend, dann stellt sich aber heraus, dass die Temperaturen unter -20ˇC über Nacht unserem Wagen den Lebensmut geraubt haben - er gibt gar keine Geräusche mehr von sich ab. Wir decken ihn liebevoll zu, in der Hoffnung, dass er uns zumindest später bedienen kann und bleiben erstmal zuhause. Vom Fenster sieht das Wetter schön aus: über breite Schneelandschaften schwebt zarter Nebel, einige weiss gefrorene Bäume zeichnen sich ab. Später scheint im Süden die kalte Wintersonne, wobei am Nordhimmel ein runder weisser Mond hängt.
Am Abend wollen wir Lissi zu meinen Eltern bringen und dann ein paar Freunde besuchen, die im November ein Kind bekommen haben. Das Auto liegt aber immer noch im Koma. Widerwillig muss ich meinen Vater Norbert zu Hilfe bitten. Mein Vater ist ein komplizierter Mensch und etwas kompliziert ist dadurch auch unser Verhältnis. In der Mitte seiner 50er Lebensjahre ist er immer noch gross und schlank, aber durch falsche Lebensweise früh gealtert. Er besitzt goldene Hände und einen prima Verstand für technische Probleme, dafür aber keinen Verstand für den passenden Umgang mit den Menschen - besonders für seine eigene Familie. Sein Selbstwertgefühl ist nicht besonders gross und das lässt sich am besten damit ausgleichen, dass man die Fehler bei den anderen sucht.
Als er ankommt, sieht er düster aus, erspart sich aber trotzdem keine Mühe, um das Auto mit Markus so hinzuschieben, dass man die Motoren der beiden Fahrzeuge mit den Ladekabeln verbinden kann. Ich und Lissi beobachten aus dem Fenster wie die beiden hin und her laufen, die Türen öffnen und schliessen, irgendetwas suchen und erfolglos versuchen, die gefrorene Kofferraumklappe aufzuhebeln. Lange dauert das alles und ich sehe, dass mein Vater nicht zufrieden ist. Dann kommt er rein und seine Stimme ist voll Kritik. "Ihr musst Euch doch mal manche Sachen klar machen.", mahnt er, "Ihr habt kein Abschleppseil im Wagen, der Kofferraum ist zugefroren - die Klappe muss man doch mit Silikon-Öl einölen!" Die Vorlesung wird vom hereinstürzenden Markus unterbrochen und wir ziehen uns an, um aufzubrechen.
Unsere Waschmaschine ist zur Zeit kaputt und wir müssen die Wäsche zu meiner Mutter zum Waschen mitnehmen. Der Eingang ist voll Tüten und Taschen. Markus bekommt aber einen Anruf und labert ruhig und gelassen im Haus. Vater trampelt nervös im Garten rum und hilft auch nicht mit, wenn ich den ganzen Kram und Lissi's Autositz alleine in den Wagen schleppe. "Männer!" denke ich bitter und versuche den Vater zu beruhigen, dass das Telefonat, das uns aufhält, gleich vorbei sein wird. Wir fahren hintereinander, damit er helfen kann, wenn unser Auto unterwegs versagt. Es hält aber durch, Lissi wird an Omi übergeben und wir machen uns in die Stadt auf. Die sonnige Laune von Markus erwärmt die eisige Luft zwischen uns und wir verbringen einen tollen Abend mit Freunden, leckerem Essen und einem kleinen Baby, das sich zum Glück gut benimmt. Zumindest diesmal ist es uns gelungen, aus dem Kältegefängnis zu fliehen.
Am Vormittag haben wir vor, uns mit einer Gruppe Kleinkinder und ihren Müttern zu treffen und die Kinder zusammen spielen zu lassen, während wir bei einer Tasse Tee unseren Nachwuchs loben. Wir sind schon vorbereitet und Lissi klopft an die Flurtür - "Baby, Baby" rufend, dann stellt sich aber heraus, dass die Temperaturen unter -20ˇC über Nacht unserem Wagen den Lebensmut geraubt haben - er gibt gar keine Geräusche mehr von sich ab. Wir decken ihn liebevoll zu, in der Hoffnung, dass er uns zumindest später bedienen kann und bleiben erstmal zuhause. Vom Fenster sieht das Wetter schön aus: über breite Schneelandschaften schwebt zarter Nebel, einige weiss gefrorene Bäume zeichnen sich ab. Später scheint im Süden die kalte Wintersonne, wobei am Nordhimmel ein runder weisser Mond hängt.
Am Abend wollen wir Lissi zu meinen Eltern bringen und dann ein paar Freunde besuchen, die im November ein Kind bekommen haben. Das Auto liegt aber immer noch im Koma. Widerwillig muss ich meinen Vater Norbert zu Hilfe bitten. Mein Vater ist ein komplizierter Mensch und etwas kompliziert ist dadurch auch unser Verhältnis. In der Mitte seiner 50er Lebensjahre ist er immer noch gross und schlank, aber durch falsche Lebensweise früh gealtert. Er besitzt goldene Hände und einen prima Verstand für technische Probleme, dafür aber keinen Verstand für den passenden Umgang mit den Menschen - besonders für seine eigene Familie. Sein Selbstwertgefühl ist nicht besonders gross und das lässt sich am besten damit ausgleichen, dass man die Fehler bei den anderen sucht.
Als er ankommt, sieht er düster aus, erspart sich aber trotzdem keine Mühe, um das Auto mit Markus so hinzuschieben, dass man die Motoren der beiden Fahrzeuge mit den Ladekabeln verbinden kann. Ich und Lissi beobachten aus dem Fenster wie die beiden hin und her laufen, die Türen öffnen und schliessen, irgendetwas suchen und erfolglos versuchen, die gefrorene Kofferraumklappe aufzuhebeln. Lange dauert das alles und ich sehe, dass mein Vater nicht zufrieden ist. Dann kommt er rein und seine Stimme ist voll Kritik. "Ihr musst Euch doch mal manche Sachen klar machen.", mahnt er, "Ihr habt kein Abschleppseil im Wagen, der Kofferraum ist zugefroren - die Klappe muss man doch mit Silikon-Öl einölen!" Die Vorlesung wird vom hereinstürzenden Markus unterbrochen und wir ziehen uns an, um aufzubrechen.
Unsere Waschmaschine ist zur Zeit kaputt und wir müssen die Wäsche zu meiner Mutter zum Waschen mitnehmen. Der Eingang ist voll Tüten und Taschen. Markus bekommt aber einen Anruf und labert ruhig und gelassen im Haus. Vater trampelt nervös im Garten rum und hilft auch nicht mit, wenn ich den ganzen Kram und Lissi's Autositz alleine in den Wagen schleppe. "Männer!" denke ich bitter und versuche den Vater zu beruhigen, dass das Telefonat, das uns aufhält, gleich vorbei sein wird. Wir fahren hintereinander, damit er helfen kann, wenn unser Auto unterwegs versagt. Es hält aber durch, Lissi wird an Omi übergeben und wir machen uns in die Stadt auf. Die sonnige Laune von Markus erwärmt die eisige Luft zwischen uns und wir verbringen einen tollen Abend mit Freunden, leckerem Essen und einem kleinen Baby, das sich zum Glück gut benimmt. Zumindest diesmal ist es uns gelungen, aus dem Kältegefängnis zu fliehen.
Dienstag, 15. Februar 2011
Eiskalter und herzerwärmender Valentinstag
Bitterkalt ist es gestern Nacht gewesen. Wenn ich am Vormittag mit Lissi ausgehe, versucht die Sonne erfolglos etwas Wärme in die gefrorene Welt zu bringen. Die Kohlmeisen sitzen auf den Ästen, die Federkleider möglichst kugelrund aufgeplustert und warten hungrig und ungeduldig auf uns. Eine hat schon zur Erinnerung ans Fenster geklopft - vielleicht dieselbe Mutige, die uns jetzt so vertraut, dass ich mich hinhocke, die Hand mit den Körner ausstrecke und sie auf meinem Handschuh landet. Schwups, ein Nuss geschnappt und weg ist sie. Lissi neben mir ist stumm vor Begeisterung. Wir füllen das Futterhäuschen und beobachten aus der Distanz wie mehrere Dutzend Meisen gleich essen kommen. Plötzlich schrecken sie auf und sind "viuh!" weg. Ein Falke landet ein paar Meter von mir entfernt auf einem Ast. Die Raubvögel halten sich immer von den Menschen fern, aber in einem weissen Skianzug hockend, hat er mich wahrscheinlich nicht als Mensch erkannt. Ich hab' einen Falken noch nie so sah gesehen. Er schaut mir in die Augen, versteht seinen Fehler und verschwindet. Aber später, wenn wir wieder drinnen sind, sehe ich aus dem Fenster, wie er unter einem Tannenbaum mit den Raben kämpft, die hier ein Nest und in der Umgebung die Obermacht haben. Der Falke muss zurückweichen.
Wir gehen aber erstmal auf die grosse Terrasse an der Südseite des Hauses. Im Sommer blühen hier drumherum Rosen und Duftwickeln, jetzt liegen an deren Stellen Schneehaufen, die höher sind als das Geländer. Die Berge nehmen noch zu, wenn ich die Terrasse vom frischen Schnee freischaufle. Lissi, ein unglaublich fleissiges und hilfsbereites Kind, nimmt kleine Schneestücke zwischen ihre Händchen und wirft sie über das Geländer. Danach zieht sie mit ihrem Handschuh auch die Bänke sauber. Wir setzen uns kurz hin, sie in meinem Schoss, runde Wangen rot wie reife Äpfel, eine kleine und eine grosse Nase gegen die Sonne gerichtet. Wenn man so von der Arbeit erwärmt die Augen schliesst und viel Vorstellungskraft hat, kann man sogar träumen, dass irgendwann mal wieder Frühling kommt.
Am Nachmittag war ich in der Stadt. Die Züge hatten Verspätung, Menschen waren unterwegs mit gefrorenen Nasen und herzförmigen Torten in der Hand. Zurück zuhause fand ich den Esstisch mit Kerzen beleuchtet und schön dekoriert, eine viergängige Mahlzeit war vorbereitet - ein liebevolles Geschenk von Markus. Warme Suppe, heisser Trüffeltee und die Gemütlichkeit im Familienkreise brachten die Wärme in die Glieder und in das Herz zurück.
Wir gehen aber erstmal auf die grosse Terrasse an der Südseite des Hauses. Im Sommer blühen hier drumherum Rosen und Duftwickeln, jetzt liegen an deren Stellen Schneehaufen, die höher sind als das Geländer. Die Berge nehmen noch zu, wenn ich die Terrasse vom frischen Schnee freischaufle. Lissi, ein unglaublich fleissiges und hilfsbereites Kind, nimmt kleine Schneestücke zwischen ihre Händchen und wirft sie über das Geländer. Danach zieht sie mit ihrem Handschuh auch die Bänke sauber. Wir setzen uns kurz hin, sie in meinem Schoss, runde Wangen rot wie reife Äpfel, eine kleine und eine grosse Nase gegen die Sonne gerichtet. Wenn man so von der Arbeit erwärmt die Augen schliesst und viel Vorstellungskraft hat, kann man sogar träumen, dass irgendwann mal wieder Frühling kommt.
Am Nachmittag war ich in der Stadt. Die Züge hatten Verspätung, Menschen waren unterwegs mit gefrorenen Nasen und herzförmigen Torten in der Hand. Zurück zuhause fand ich den Esstisch mit Kerzen beleuchtet und schön dekoriert, eine viergängige Mahlzeit war vorbereitet - ein liebevolles Geschenk von Markus. Warme Suppe, heisser Trüffeltee und die Gemütlichkeit im Familienkreise brachten die Wärme in die Glieder und in das Herz zurück.
Montag, 14. Februar 2011
Wir stellen uns vor
Dort, wo der Fluss in jedem Frühling die flachen Felder und Wiesen überflutet und zu einem herrlichen See für die ankommenden Gänse und Schwäne verwandelt, wo der Südwind - ohne Hindernisse zu treffen - frei und stark im Sommer angenehme Frische und im Winter bittere Kälte in den Hof weht, steht ein kleines altes Dorf und mitten drin ein Blockhaus mit einem langen, schmalen Garten wie ein Strumpf. Da wohnen wir - ich (Kerstin), mein Mann Markus und unsere kleine Liesbeth, Lissi genannt und anderthalb Jahre alt. Tiere brauchen wir nicht zu haben - die Nachbarkatzen und manchmal auch die Hunde besuchen uns oft. Dazu noch eine Menge Vögel, die hier morgens einen bedeckten Tisch finden, und ein frecher Hase, der sich selbst zu einer Mahlzeit an den Obstbäumen und Rosen einlädt. Ab und zu läuft mal ein Fuchs über die Felder oder stapfen die Rehe durch den dicken Schnee. Mit viel Liebe und viel harter Arbeit haben wir das Zuhause gebaut. Viel Liebe und viel Arbeit gibt es hier heute noch. Und die wollen wir gerne mit Euch teilen. Herzlich willkommen in unserem Blog!
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