Dienstag, 15. Februar 2011

Eiskalter und herzerwärmender Valentinstag

Bitterkalt ist es gestern Nacht gewesen. Wenn ich am Vormittag mit Lissi ausgehe, versucht die Sonne erfolglos etwas Wärme in die gefrorene Welt zu bringen. Die Kohlmeisen sitzen auf den Ästen, die Federkleider möglichst kugelrund aufgeplustert und warten hungrig und ungeduldig auf uns. Eine hat schon zur Erinnerung ans Fenster geklopft - vielleicht dieselbe Mutige, die uns jetzt so vertraut, dass ich mich hinhocke, die Hand mit den Körner ausstrecke und sie auf meinem Handschuh landet. Schwups, ein Nuss geschnappt und weg ist sie. Lissi neben mir ist stumm vor Begeisterung. Wir füllen das Futterhäuschen und beobachten aus der Distanz wie mehrere Dutzend Meisen gleich essen kommen. Plötzlich schrecken sie auf und sind "viuh!" weg. Ein Falke landet ein paar Meter von mir entfernt auf einem Ast. Die Raubvögel halten sich immer von den Menschen fern, aber in einem weissen Skianzug hockend, hat er mich wahrscheinlich nicht als Mensch erkannt. Ich hab' einen Falken noch nie so sah gesehen. Er schaut mir in die Augen, versteht seinen Fehler und verschwindet. Aber später, wenn wir wieder drinnen sind, sehe ich aus dem Fenster, wie er unter einem Tannenbaum mit den Raben kämpft, die hier ein Nest und in der Umgebung die Obermacht haben. Der Falke muss zurückweichen.
Wir gehen aber erstmal auf die grosse Terrasse an der Südseite des Hauses. Im Sommer blühen hier drumherum Rosen und Duftwickeln, jetzt liegen an deren Stellen Schneehaufen, die höher sind als das Geländer. Die Berge nehmen noch zu, wenn ich die Terrasse vom frischen Schnee freischaufle. Lissi, ein unglaublich fleissiges und hilfsbereites Kind, nimmt kleine Schneestücke zwischen ihre Händchen und wirft sie über das Geländer. Danach zieht sie mit ihrem Handschuh auch die Bänke sauber. Wir setzen uns kurz hin, sie in meinem Schoss, runde Wangen rot wie reife Äpfel, eine kleine und eine grosse Nase gegen die Sonne gerichtet. Wenn man so von der Arbeit erwärmt die Augen schliesst und viel Vorstellungskraft hat, kann man sogar träumen, dass irgendwann mal wieder Frühling kommt.
Am Nachmittag war ich in der Stadt. Die Züge hatten Verspätung, Menschen waren unterwegs mit gefrorenen Nasen und herzförmigen Torten in der Hand. Zurück zuhause fand ich den Esstisch mit Kerzen beleuchtet und schön dekoriert, eine viergängige Mahlzeit war vorbereitet - ein liebevolles Geschenk von Markus. Warme Suppe, heisser Trüffeltee und die Gemütlichkeit im Familienkreise brachten die Wärme in die Glieder und in das Herz zurück.

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