Der Frost weicht nicht zurück, aber wir versuchen trotzdem - so weit es geht - ein normales Leben zu führen. Die Spaziergänge draussen werden kürzer, damit uns die Nasen dranbleiben, dafür gehe ich am Morgen mit Lissi zu ihrer "Trainingsstunde". Es sieht so aus, das etwa ein halbes Dutzend 1,5- bis 2-Jähriger zuerst für eine Stunde von den Eltern und der Trainerin geführt rumlaufen, sowohl über und unter Hindernissen klettern als auch durch Tunnel krabbeln. Danach sind die Mamas fix und fertig und lassen die kleinen noch eine Weile spielen und die Rutsche runterrutschen. Es ist herzerwärmend zu beobachten, wie ein kleiner Bengel mit grossen unschuldigen Augen auf der Polizeimotorrad-Schaukel sitzt und dabei so träumerisch in die Ferne schaut, als würde er gerade Poesie komponieren. Ein Mädchen mit heissem Temperament muss immer auf zwei Spielautos auf einmal sitzen, wofür sie merkwürdige akrobatische Leistungen zeigt. Lissi ist eher zurückhaltend und eine Einzelgängerin. Am liebsten fängt sie an, alles in Ordnung zu bringen - ist ja klar, dass grosse Bälle und Luftballons nicht in das Ballmeer mit kleinen Bällen reinpassen - die muss man aussortieren.
Später gehe ich zum Keramikkurs. Heute lernen wir Fotos auf Keramik zu übertragen. Es ist eine aufwändige Arbeit, das Resultat, falls gelungen, sieht aber Klasse aus. Auch die Mocca-Technik gefällt mir sofort - nach ein par schnellen Bewegungen läuft die Farbe auf dem Teller in Baum-artige Figuren. Der Kurs ist eine herrliche Abwechslung zum Alltag. Man taucht vollkommen in Kunst und Kreativität ein und vergisst die tägliche Sorgen und Pflichten. Wenn ich voll neuer Ideen nach Hause komme, steht das Haus relativ dunkel unter einem riesigen hellen Mond, der den Schnee mit seinem Licht überflutet. Aus dem Fenster beobachten wir lange vier Rehe, die im Garten sich Nahrung suchen und an den Ästen knabbern, die wir zum Brennen zu einem Haufen geworfen haben. Die armen Tiere haben noch eine kalte Nacht vor sich.
Ein bisschen Abwechslung bringt auch ein anderer Abend mit Markus zu zweit in der Stadt. Lissi wird zur Oma gebracht und wir gehen in ein italienisches Restaurant essen. Eigentlich war auch ein Kinobesuch geplant, aber der Film, den wir sehen wollen, wird ab heute nur mittags gezeigt. Es ist ärgerlich, lässt sich aber nicht ändern. Stattdessen schleppt mich Markus von einem Baumarkt in den nächsten und schaut sich die langweiligsten Schrauben und Scharniere so lange an, dass ich jede Lust und Laune für einen romantischen Abend verliere und bereit bin, vor Müdigkeit umzufallen. Doch als wir endlich mal im Restaurant landen und im Kerzenlicht die Liste der leckeren Pizzen anschauen, wird mit der Welt wieder Frieden geschlossen. Ein bisschen Müdigkeit kann man mir vergeben - jemand ist ja in meinem Bauch am Wachsen. Aber davon ein anderes mal mehr ...
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