Dienstag, 22. März 2011

Frauenparty im Dorf

Na ja, es ist jetzt schon eine Weile her, aber an einem Samstag wurde im Dorf Frauentag gefeiert. Ich zögerte lange, ob ich dort hingehe, denn der Schnupfen hat mich müde und lustlos gemacht. Entscheidend war, dass im Programm ein Vortrag von einem Mann stand, der alles über die Natur zu wissen scheint und darüber auch interessanter als egal wer anders erzählen kann. Ich hab' ihn schon einmal früher gehört und wollte die Chance jetzt nicht verpassen.

Als ich mit etwas Verspätung ankam, sah ich durch's Fenster tanzende Männer in Trachten. Sie haben gerade ihren Auftritt beendet, als ich reinkam. Einer von den jungen Männer trat mir entgegen und schenkte mir ein paar Tulpen. Ein schönes Willkommen jedenfalls! Das Publikum war knapp und bestand meist aus älteren Damen. Ich kannte dort keinen. Scheinbar hatten meine Nachbarn andere Pläne für den Abend.

Als nächstes trat ein Blasquartett aus einem Mann und drei Jungs auf. "Zuerst wollen wir einen Stück spielen, das einem Tier gewidmet ist," sagte der Mann, "- einem Tier, das viele Leute nicht gesehen haben und vor dem viele Angst haben - es ist die Kuh". Also hörten wir Musik sowohl für die Kuh als auch zu anderen Themen. Er meinte, dass der Titel dem Zuhörer den Weg weist und somit eine grosse Rolle spielt, wie die Musik wahrgenommen wird. Er brachte als Beispiel seine eigene Erfahrung mit einer "Weihnachtsstimmung", die die Zuhörer gelobt haben als eine Melodie, die das Weihnachtliche - die Atmosphäre, die Vorbereitungen und die heilige Erwartung perfekt weitergibt. Im Sommer wurde dasselbe gespielt, nur diesmal unter dem Titel "Sommerabend". Das Publikum fand allerdings, dass es eindeutig die richtige Sommerabendstimmung darstellt, einer meinte sogar, er hätte in der Melodie den Kuckuck gehört. Auch wir wurden getestet - das letzte Stück wurde uns ohne Titel vorgetragen und wir mussten es danach erraten. "Die Küste", "Ein Tanzabend" lauteten die Angebote. Na ja, "Quark" hiess es wirklich!

Dann war meine Lieblingsbiologe dran. Er arbeitet in einem Zoo und hat tausend lustige Geschichten von seinen guten tierischen Freunden dort, sowohl als auch ein unheimlich grosses Wissen über die Natur und Tiere im Allgemeinen. Er hat versucht, sich diesmal auf das Frauenthema, also auf die weiblichen Tiere und ihre Rolle, zu konzentrieren, driftete aber immer wieder auf superinteressante Seitenwege ab. Wir haben erfahren, dass im Zoo eine alte schlaue Füchsin lebt, die früh morgens vor dem Stromzaun sitzt, der die grosse Fläche und Teiche der Wasservögel umgrenzt, und sich den Rhythmus des Impulsstroms anhört. Als sie es rauskriegt, springt sie zwischen den Impulsen durch den Zaun und versteckt sich im Gebüsch. Sie wartet bis die Pfleger den Vögeln das Futter bringen und wieder abhauen und drängelt sich dann unauffällig zwischen Gänse und Enten zu ihrem bereitgelegten Brei oder Fisch. Die Vögel fasst sie nie an - ein Skandal wäre das letzte, was sie gebrauchen kann!

Oder die Wahrheit des Stierkampfes - viele wissen gar nicht, dass die Stiere keine rote Farbe sehen, rot ist das Tuch nur um für die Menschen attraktiver zu wirken und die Blutflecken besser zu verstecken. Auch das Tuch selber ist dem Stier egal, aber in der Bewegung sieht er eine Provokation - die Herausforderung zu einem Duell. Als ein männliches Tier ist er ein Gentleman und kämpft strickt nach den Regeln. Er greift das provozierende Tuch an und ignoriert den stillstehenden Mann daneben. Sein Verhalten ist vorherzusehen und deswegen wird er besiegt. Warum benutzt man nie Kühe für den Kampf? Weil sie sich kein bisschen für die Duellregeln interessieren. Eine Kuh würde die Situation erstmal betrachten, schnell herausfinden, dass der ganze Mist vom Manne entstammt und würde ihn direkt und ganz brutal angreifen. Also, mit einer Kuh zu kämpfen wäre tausendmal gefährlicher.

Leider kann ich nicht alles Interessante mit Euch teilen, was er uns erzählt hat. Dabei hat er sich vor mich gebogen, um zu zeigen, wie die männliche Vögel ihre Partnerin beeindrucken wollen. Wie gesagt, sehr, sehr toll war das alles. Und danach gab es Kaffe und Kuchen, die die Dorfdamen gebacken hatten und danach noch ein bisschen Musik. Als ich aus dem Raum ging, stand ein alter Mann auf der Tür und sagte mir: "Ich hab' dein Schnupfen weggenommen. Du hast ein Grippevirus, aber ich hab' Deinen Schnupfen weggenommen". Keine Ahnung wer er war, aber etwas Schnupfen hat er doch für mich übrig gelassen - ganz weg war er nicht! ;o)

Jedenfalls kam ich nach Hause in bester Laune und voll neuer Erlebnisse und habe erstmal Markus mit dem überflutet. Es hat sehr gut getan, auch mal wieder alleine aus dem Haus zu kommen. Und die Frauentagsparty hat ihren Zweck erfüllt - ich hab' mich wirklich sehr weiblich gefühlt!

Dienstag, 8. März 2011

Tage der Krankheit

Es hat uns doch erwischt - Lissi, Markus und mich - alle in Abwechslung. Eine blöde Krankheit war es! Die kleine Lissi bekam Schnupfen und schnaufte in der Nacht wie ein Bär. Teilweise war ihr so schwer zu atmen, dass ich ab und zu voll Sorgen zu ihrem Bett ging, um festzustellen, ob sie überhaupt noch atmet. Wir mussten wieder all die unangenehmen Sachen - die Nasensprays, Hustensäfte, das "Piip-piip" (Thermometer) usw. einsetzen. In der Nacht wollte Lissi oft neben mir schlafen: drehte sich hin und her und hustete mir ins Gesicht, was mir keinen erholsamen Schlaf gebracht hat... Am Tag musste sie mir ständig im Schoss sitzen, war gleichzeitig jämmerlich und liebevoll: hat mich umgearmt und geküsst, meine Haare gestreichelt und geweint, wenn ich ein paar Schritte entfernt war.

Als es ihr schon besser ging, ist Markus der Krankheit zum Opfer gefallen. Es kommt bei ihm selten vor, aber wenn, dann ist es der Weltuntergang: er lag mit Schnupfen tagelang im Bett und hat es sein Sterbebett genannt. Morgens habe ich ihm Knoblauchbrote und warme Milch mit Honig dorthin gebracht. Die wurden zum Glück überraschend gern angenommen. Er brauchte aber viel Schlaf und Ruhe, was gleichzeitig längere Tage für mich bedeutete.

Und so habe ich nach der anstrengenden Woche mir das beste Frauentag-Geschenk machen lassen - am Morgen lange ausschlafen! Wir alle sind noch ein bisschen kränklich und Lissi bekommt sogar Antibiotika, aber es wird schon langsam besser. Jetzt reicht es aber auch! Ich will nicht mehr krank sein! Der Winter ist in dem Sinne furchtbar gewesen und es wäre Zeit, dass er mal zu Ende kommt und wir wieder gesund und fit und froh draussen rumlaufen können. Das Wetter gibt aber noch nicht viel Hoffnung...